BEWERTEN
 

Kevin Blechdom

»Eat My Heart Out«

[Chicks On Speed / Indigo / VÖ: 06.06.2005 ]

Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

Kevin Blechdom ist der Stachel im Fleisch der Laptop-Szene – und fast wäre ich versucht, ein ausgelutschtes “und das ist auch gut so” nachzuklappen, was natürlich trotzdem der Fall ist. Dem angestrengten Ernst der gramvoll über ihre Powerbooks gebeugten Glitch-Nerds setzt die studierte Elektronik-Musikerin, die auch eigene Software schreibt, einen hysterisch ironisierten Umgang mit dem Klischee der anti-emotionalen, verkopften, stets ihre Coolness bewahrenden Computermusik entgegen. Während auf ihrem Debüt bei Chicks On Speed Records, nach ihrem herzzerreißenden Split mit ihrer langjährigen Partnerin von Blectum From Blechdom, die Annäherung an generell verachtete Genres wie Musical und Gefühls-triefende Schlager schon sehr deutlich war, steht der Nachfolger “Eat My Heart Out”, auf dem auch ein tolles 20-minütiges Video enthalten ist, nun völlig im Zeichen trivialer Kompositionen.

Lustvoll singt das selbst ernannte “freaky girl”, das gerne da hingeht, wo es Zahnschmerz bereitet, in croonendem, Musical-haft übertriebenem Tonfall, der wie eine Parodie guten Singens wirkt, unpassende Texte zu karnevalesken elektronischen Billo-Tracks. Es ist Kristin Erickson a.k.a. Kevy B gar nicht hoch genug anzurechnen, dass sie mit ihren wilden Performances die Konventionen der Aufführung von elektronischer Musik auf höchst unterhaltsame Weise unterläuft; vor allem aber auch, dass sie jede Vorstellung von adäquater Weiblichkeit mit ihren grotesken Überaffirmationen und Selbstinszenierungen – ein Blick auf das Cover ihrer CD, auf dem sie ungeschminkt nackt mit Fleischbergen in den Händen bewusst unerotisch posiert, genügt – fröhlich kaputt trampelt.



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