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Text: Autor unbekannt
Mötley Crüe “Red, White & Crüe” (Universal) – Die Rock-Böcke. Jetzt noch älter und im Original-Line-up wieder vereint. Sind halt Geschäftsleute trotz allem internen Hass (nachzulesen in ihrem Rock-Buch aller Rockbücher “The Dirt” – demnächst als Film). Hier eine weitere Zusammenfassung ihres Schaffens. Chronologisch, bedeutsam und datet.
John Tejada & Arian Leviste “Back For Basics” (Word And Sound) – Minimaler Sound mit maximalem Output. Ja, eine neue John Tejada ist schon wieder möglich und liegt vor. Angezogenes Tempo, manchmal gegenläufige Rhythmik und das angenehm stoische Beharren auf Crispiness statt Pop-Zugeständnissen machen John genau wie diese Platte absolut hörenswert.
The Roger Sisters “Three Fingers” (Too Pure / Indigo) – “Diese Mischung ist wirkungsvoll, diese Mischung knallt ganz toll.” Zwei New Yorkerinnen und ein Hawaiianer gründen eine Band, die keuchenden Post-Pop spielt und an Wave und Tuxedomoon oder The Pop Group erinnern kann.
Mitunter geil, mitunter etwas zu hip und stilistisch on point, um wahr zu sein.
Mika Bomb “Hellcats” (Damaged Goods / Cargo) – Kennt jemand noch Shonen Knife oder zumindest Lolita No. 18? In der Tradition von Mädchen mit Messern machen die drei japanischen Girls (Gesang, zweimal Gitarre) und ihre Rhythmus-Herrenfraktion Rotz-Ramones’n’Toy-Dolls-Punkrock. Cheesy, pogo, retro.
Without Gravity “Tenderfoot”(One Little Indian / Indigo) – In sich ruhendes Zwei-Personen-Stück für Gitarren aus Island. Unaufgeregt und intim.
PJDS “Light Sleeper” (Beuzak / Alive) – Versponnenes Duo aus Belgien, Vive La Fête und dEUS haben über Umwege die Finger im Spiel. Energetisch und reizvoll, manchmal machen sie ihre eigene Versponnenheit allerdings zu arg zum Fetisch.
Brother J “Be Bop A Null” (Sugarlicks / Alive) – An Propellerheads muss man denken, wenn der percussive Dancefloor eröffnet wird. Aber die Verweise gehen natürlich viel weiter, sehr viel Soul, sehr viel Herz und Wärme. So würde Max Mutzke gerne klingen – schafft er aber nie.
Blues Explosion “Crunchy” (Mute / Emi) – Genau. An dem Material des letztlich doch sehr frustrierenden aktuellen Blues-Explosion-Albums musste mal was getan werden. dfa, TMJ von !!! und Solex nahmen sich vornehmlich
“Crunchy” an. Und, ja, wenn der Wolf, durch den es gedreht wird, etwas völlig anderes ausspuckt, geht es ehrlich gut ab. Den schalen Beigeschmack von Auftragsarbeit und Götterverrentung wird man dennoch nie ganz los.
Lali Puna “I Thought I Was Over That” (Morr / Indigo) – The good, the bad, the hintenruntergefallenen. Wenn man nicht nach dem Sinn solcher Kollektionen fragt, muss man auch nicht blöd rumargumentieren. Ist doch schön, dass solch eine außergewöhnliche Band einen mit dieser Kollektion bei Laune hält. Mixe der Berliner für Two Lone Swordsmen und dntl, die Zusammenarbeit mit Bomb The Bass. Vielseitig und herzlich. Der Besitzerstolz hier geht weit über das Komplettisten-Moment hinaus.
Dead Fly Buchowski “Land Of The Rough” (Beggars / Indigo) – In Asien sind tausendjährige Eier eine Spezialität, Dead Fly Buchowski haben da sicher auch ein Faible für. Indie-Blues, den sonst nur Gomez so tief und staubig hinbekommen, ist hier der King. Nicht für jedermann, aber wen es trifft, den trifft es heftig.
The White Stripes “Blue Orchid” (XL / Rough Trade) – Was hat man zu erwarten? Titelstorys und großes Geschrei sind vorprogrammiert.
“Blue Orchid” lässt noch nicht so richtig in die Karten des nächsten Stripes-Albums schauen. Übersteuerte schneidende Gitarre, offene Becken, derber Klopfsound der Snare. Die Garage pulsiert, Kraft und Wucht des Songs sind immens, die Koordinaten scheinbar unverschoben. Immerhin verkürzt dieser Teaser das Warten. Hebt es aber nicht auf.
Norma Jean “O’ God, The Aftermath” (Virgin / Emi) – In so gandenlosem Prügel-Core ist dieses Magazin sicher nicht der letzte Fachmann, erwähnt seien Norma Jean aber dennoch. Schließlich panzerte ihr Debüt zuletzt auch mehrfach durch unsere Hallen. Der Nachfolger ist aufwändiger produziert und bedient sich in seiner Gewalt noch mehr Nuancen. Ein genialischer Höllenritt ist mit der Band aus Atlanta garantiert.
Daniel Lanois “Belladonna” (Anti / SPV / VÖ 06.06.) – Legendärer Produzent von u. a. Emmylou Harris und Peter Gabriel macht solo auch mit dieser Platte wieder hausbackenen Gitarren-Ambient-Mucker-Kram jenseits irgendeiner Zurechnungsfähigkeit. Marriachi meets James Last meets Spießer-Krautrock für Autofahrer.
Jens Friebe “Remixe” (Scheinselbständig) – Jens Friebe rennt getrieben durch die deutsche Großstadt Berlin. Der Ruhm seines überragenden Debüts
“Vorher Nachher Bilder” hat Begehrlichkeiten allerorts geweckt, aber nach den Regeln des VÖ-Wunderlands nach anderthalb Jahren auch schon einen Bart angesetzt. So gibt es im Sommer bereits den heiß ersehnten Nachfolger. Vorher aber noch dieses hier. Remixe von Baxendale (Italo-Pop-Hitseligkeit), Nieswandt (bisschen düster, sehr clubbig), Dazo (Beat-Wunderheiler aus Hannover), Bum Kun Cha Youth (immer vorne dabei), Brezel Göring (putziger Core) und Drei Farben House (schön). Neu gemischt wurden
“Gespenster”, “Körper”, “Lied Ohne Botschaft”.
Mr. Rope “Looking For Roommates” (Scheinselbständig) –
“I’m not a musician in the close meaning of the word, but I drink like hell and I’m a very longlasting lover. And isn’t this, what music is all about? Okay, except the bullshit-thing with the instruments.” Der geheimnisvolle Mann, dem diese O-Töne an der Bar zu entlocken sind, hat mit Hilfe illustrer Gäste eine mehr als heiße Maxi auf die Beine gestellt. Ada remixt seine Smiths-Coverversion von
“Last Night I Dreamt”, Sid Le Rock pimpt mit ihm durch einen Drogenhuldigungs-Song namens
“I Wanna Be A VIP”, und Tomas Jirku und Brant hängen auch noch drinnen. Absoluter Party-Breaker.
[LAW] “In My Head” (Gun) – Zuletzt schwirrte durch einige Radios schon ein sehr stampfender, aber einfallsreicher Rocksong. Mit dem Titel
“Something In My Head”. Was ein feister Ohrwurm. Die Band dazu heißt [LAW], und ein neues Album gibt es gleich obendrauf. Life After Weekend ist übrigens die Lösung des Namens-Akronyms. Klischeefreier Rock mit richtig Potenzial, und wenn das Internet nicht trügt, produziert von Olaf Opal. Na, dann wundert einen ja nichts mehr.
Die Mimmi’s “Hinsetzen Maulhalten” (Weser Label) – Eine neue Mimmi’s-Platte? Das überrascht nicht. Schließlich hatte die Band um Fun-Punk-Legende Fabsi zuletzt den ganzen Backkatalog wieder aufgelegt. Ganz dankbar, dass sich die Bremer Veteranen durch neue Studio-Technik hier und jetzt nicht verleitet sahen, fetter und damit mieser und metalmäßiger zu klingen. Nein, das Album ist Zeitmaschinen-Pop. Das ist ein Betriebsausflug auf Bier. Das ist Ex-Elternschreck-Mucke der heutigen Elterngeneration. Obwohl:
“Deine Angst Hat Einen Grund” verweist sogar bisschen auf die Terrorgruppe,
“Monoton” danach aber postwendend auf VKJ,
“Setzt Die Segel” ist letztlich
“Holt Die Seekarten Raus” von Slime und
“Die Liste” dann wieder ganz klassisch Mimmi’s. Alles beim Alten. Süß, ihr Säcke.
Diverse “Silent Poetry” (Coconut) –
“Quiet is the new loud” war ein Genrebegriff, der vor Jahren für Kings Of Convenience und Co. erdacht wurde. Hier heißt dieser Ansatz recht synonym
“The New Silent Movement”, klingt auch ähnlich. Epischer Indie voller Zerbrechlichkeit. Kann man gut im Fluss hören. Mit u. a. den großartigen Major Minority sowie Timesbold, Savoy Grand, Tobacco, Tenfold Loadster.
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