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System Of A Down

»Mezmerize«

[Columbia / Sony / VÖ: 17.05.2005 ]

Text: Carsten Schumacher, Carsten Schumacher

Die Scheu vor Doppelalben will weiter nicht verebben. Nach Fantômas und Oasis kommen nun auch System Of A Down zu dem Schluss, dass sie zu gut für Ausschuss, sich selbst aber zu gut für ein Doppelalbum sind. Man könnte nun den Conor Oberst geben und in satter \"Use Your Illusion\"-Tradition zwei Platten gleichzeitig veröffentlichen (reden wir an dieser Stelle lieber nicht von Ryan Adams), doch die Weirdo-Metaller stellen auf stur und belassen es zunächst bei einem \"Mezmerize\", worauf in ca. sechs Monaten ein \"Hypnotize\" folgen soll - gleichberechtigt, nicht nur durch einen auch lautmalerisch eng verwandten Titel.

Den Fehler, auf ein äußerst starkes \"Toxicity\" ein keinesfalls ebenbürtiges \"Steal This Album\" folgen zu lassen, will wohl keiner wiederholen. Anders läuft es da musikalisch, denn die Band knüpft nahtlos an ihre besten Zeiten an, ohne dabei den grundlegenden Kurs zu ändern. \"Welcome to the soldier side / Where there's no one here but me / People all grow up to die / There is no one here but me\", klagt der mehrstimmige Gesang des betont ruhigen Intros, bevor mit \"Bring Your Own Bombs\" direkt die Single abgefeuert wird, die klar machen soll, dass man die Charts nicht wie ein schlafendes Baby behandeln wird. Im Interview wollen Sänger Serj und Gitarrist Daron das aber keinesfalls politisch verstanden wissen. Irritierend. Das nach all den Aktionen zusammen mit Audioslave? Nach all den Bestrebungen, den Vater des Irak-Kriegs aus dem Amt zu jagen? Nach einer im Lied deutlich als zentral gekennzeichneten Textzeile \"Why do they always send the poor\"? (Ausschnitte aus dem kurz nach Vorstellung des Albums geführten Video-Interviews gibt es als Stream auf www.intro.de.) Doch so sehr die ehemals mit dem Begriff \"Nu Metal\" besudelte Band mit diesem Album musikalisch, nicht zuletzt durch Produzent Rick Rubin, eine konstante Linie verfolgt, so sehr geriet sie in jüngerer Zeit durch Ticket- und Merchandise-Preise in die Kritik. 35 Euro für ein einfaches Tourshirt sind kein Freundschaftspreis. Doch von all dem - die stets positiv zu wertende, nach wie vor flammende Agitation gegen den vertuschten Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich eingeschlossen - will die Musik nichts wissen. Patton-mäßige Ohrwürmer wie \"Cigaro\", so sperrige wie tanzbare Nummern wie \"Violent Pornography\" oder eine Vocoder-Feierstunde wie \"Old School Hollywood\" eignen sich hervorragend als weitere Singles, ohne dass man ihnen irgendeine Anbiederung vorwerfen könnte. Nach nur 37 Minuten \"Mezmerize\" hat man letztendlich eher das Gefühl, das zweite Album gleich mitgehört zu haben. Es gab so viel zu sehen. Da capo!



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