Kelly Osbourne
»Sleeping In The Nothing«
[Sanctuary / Rough Trade / VÖ 13.6. / VÖ: 14.07.2006 ]
Text:
linus volkmann,
linus volkmann
&
Scout Niblett
Kidnapped By Neptune
Beggars / Indigo
Das sei gleich gesagt: Stilistisch eint diese beiden Alben nicht annähernd genug, um durch eine Doppelbesprechung zu tragen. Der Faden, an dem die Perlen der Plattenbetrachtungen nun Stück für Stück aufgereiht werden, ist trotzdem stabil. Denn der Link zwischen den Alben ist ganz einfach, dass es sich hier um zwei ungeheuerliche Meisterinnenwerke handelt, die beide Gefahr laufen, verkannt zu werden bzw. im ewig rauen VÖ-Meer unterzugehen. Kelly Osbourne ist dabei natürlich Kandidatin fürs Verkennen. Denn zu ihr besitzt bereits jeder eine gut gefüllte Meinungsbox - und außer Trash, Drogen, Fake und Scheißdreck möchte sicher kaum einer was als Kommentar zu Kelly gelten lassen.
Für Scouts Platte gelten dagegen andere Schwellen, die es zu nehmen gilt. Dilemma: Kennt kaum einer - abseits von Indie-Profis. Das muss natürlich ein Ende finden. Hypersensible Gitarrenmusik, verlassen, verzweifelt - nicht unähnlich dem Werk Bonnie \"Prince\" Billys. Doch wo der in den dunklen Wald geht, rennt Scout immer mal wieder mit dem Kopf voll gegen einen Baumstamm. Ganz bezeichnend dafür der dritte Song, \"Pompons\". Fast bewegungslos schleicht sich Scout, nur von einem gnadenlos schleppenden Schlagzeug begleitet, durch die ersten drei Minuten, um dann plötzlich, wenn man schon auf das Ende, das Fade-away wartet, brüllend auszubrechen, mit einem Fuß auf dem Verzerrer und einem Gitarrenriff, das Shellac in seiner trockenen Gewalt alle Ehre machen würde. Kein Wunder, ist ja auch Shellacs Steve Albini in die Produktion involviert gewesen. \"Kidnapped By Neptune\" ist immer schon ein wenig 90s-Revival, ein wenig Besuchszeit bei Grunge, aber weitaus angemessener als zum Beispiel bei der neuen Mary Timony, wo diese Art des Rock eher ins Leere geht. Kelly und Scout legen hier ungeheuerliche Werke vor, an denen man nicht vorbei sollte, wenn man noch ganz klar im Kopf ist. Aber das erwähnte ich ja eingangs bereits.
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