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Lawrence

»The Night Will Last Forever«

[Dial / Ladomat / Novamute / Emi / VÖ: 13.05.2005 ]

Text: arno raffeiner, arno raffeiner

Klassik könnte man Kunst nennen, die unverwechselbar ist, ebenmäßig und rund, in ihrer Perfektion nicht mehr zu überbieten. Doch so verstandene Klassik birgt auch die Gefahr, in Schönheit zu erstarren, in sich selbst und im eigenen Werk gefangen zu bleiben, und so trifft gerade KünstlerInnen, die ihre eigene Sprache gefunden und ausdefiniert haben, leicht der Vorwurf der Stagnation, die da drohe, alles gleich und ergo langweilig zu machen. Peter M. Kersten bleibt ganz er selbst. Der mit dem dritten Lawrence-Album vollzogene Sprung zu Ladomat und zum Indie-Giganten Mute und damit zu potenziell größerer Öffentlichkeit ist natürlich nicht der ideale Zeitpunkt, um sich etwa völlig neu zu erfinden.

In dieser Logik wäre das eventuell bei einem nächsten Album zu erwarten. Stattdessen wird konsequenterweise mit zwölf neuen Stücken ein Querschnitt durch das bisherige Schaffen gegeben. Die Düsternis früher Tracks findet ebenso Platz wie die überbordende Melancholie des letzten Albums und die beatfreie Zone eher ambientiger Ausflüge. „The Night Will Last Forever“ ist also der Lawrence-Klassiker. Eines der vielen wundersamen Dinge an dieser Musik ist, wie die nebeneinander laufenden, auseinander strebenden Elemente – Beats, die stets verschaffelt klopfen, rhythmisch quer pumpende Basslines, Kontraste zwischen den voneinander abgegrenzten Soundebenen, Melodiefetzen und Flächen in konträren Stimmungen – im entscheidenden Moment doch zusammenschmelzen. Lawrence erfindet so einen Groove, der auf Verwischung gründet. Die ewige Nacht auf diesem Album glimmt und strahlt geheimnisvoll durch diese Nebel, es ist eine lichte Dunkelheit, in der Peter Kersten seine antifaustische Ruhe gefunden hat. Er sagt es mit jedem neuen Lawrence-Stück: Augenblick, verweile doch.



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