BEWERTEN
 

Morrissey

»Who Put The „M“ In Manchester?«

[Attack / Sanctuary / Rough Trade / VÖ 04.04.]

Text: marco fuchs, marco fuchs
[6 Kommentare]

Als Steven Patrick Morrissey nach seinem unsäglichen Finsbury-Debakel 1992 England den Rücken kehrte, um fortan lieber als missverstandene Diva den Mexikaner in sich zu entdecken, standen die Chancen auf eine Versöhnung zwischen der britischen Musiklandschaft in der blauen und Manchesters exzentrischstem Sohn in der roten Ecke bei ungefähr null. Es sollte zwölf Jahre dauern, bis das unerwartet gute (und erfolgreiche) Comeback-Album und vier Top-10-Singles die Zeichen auf Annäherung, gar so etwas wie Versöhnung stellten. Erst das ganze Ballyhoo um NME, Giftpfeile in Interviews und Song-Abrechnungen lassen einen die emotionale Dimension erfassen, die diese Konzert-Rückkehr Morrisseys an seinem 45.

Geburtstag in der ausverkauften MEN-Arena auf beiden Seiten auslöste. „Regrets, I had a few, but then again ... too many to mention.“ – Eine Abrechnung in fünf Sekunden, bevor ein 85-minütiger Himmelssturm aus 17 Jahren Solo-Schmerz, Smiths-Klassikern und B-Seiten über das bewegte Publikum hereinbricht. „The Headmaster Ritual“, „Everyday Is Like Sunday“, die grandiose Raymond-Coverversion „No One Can Hold A Candle To You“ oder das ewig falsch interpretierte „Shoplifters Of The World Unite“ zeigen den in Sarkasmus ergrauten Morrissey auf dem stimmlichen und mitreißenden Höhepunkt einer Karriere, über deren Ende zu kokettieren er auch in dem alles in einem unwerfenden „There Is A Light ...“ nicht sein lassen kann. Aber: „You made a happy man very old. Don’t forget me!“ Allen an Release-Unbill gewöhnten Fans sei versichernd hinzugefügt, dass „Who Put The ‘M’ In Manchester?“ dank Bonus-Videos, fünf Songs des Move-Festivals und einer exzellenten Aufbereitung durch Bucky Fukumuto, der schon für die 2004er-Videos verantwortlich zeichnete, Meilen über die letzte reguläre Konzert-DVD „Live In Dallas“ hinausgeht. Ein bewegender Abend, der das Faszinosum Morrissey einfängt und grinsend wieder ausspuckt.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 
  • User: rupture
  • rupture 07.04.2005 | 22:17:02

    geile sache das. weitaus besser als die live-platte... kann mich seit tagen nicht satt sehen...

  • User: yeuz
  • yeuz 19.04.2005 | 17:23:44

    Satt und müde wirkt er.
    Zappelt teilweise wie Joe Cocker. Die Begleitkapelle kommt über das gewohnte Mittelmass wieder nicht hinaus.
    Statt Streichern ein Keyboarder.

    Der 5.1 Sound schafft so gerade mal ein "ausreichend", und die live-Extras kommen über ein 2.0 nicht hinaus.

    Wenn ein 45iger "There is a light ..." singt, ist das fast so schlimm, als würden die 2 restlichen von The Who noch "My Generation" lallen.

    Fazit: die DVD macht mich traurig

    Ich hoffe ja noch darauf, dass das Smiths Rockpalast Konzert mal erscheint - oder irgendein Smiths Konzert.
    Als Extra natürlich mit der "Southbank Show".

  • User: Half A Person
  • Half A Person 19.04.2005 | 20:10:49

    ach, die dvd ist sehr toll. eine schöne erinnerung an ein glamouröses ereignis. ich sehe sie somit natürlich durch eine brille, aber eigentlich gefiel die dvd allen, denen ich sie bisher zeigte. ist doch auch ne wunderschöne kameraführung und der sound geht voll in ordnung.

    technik-blabla und altrocker-bashen langweilt mich. morrissey ist doch jetzt da, wo er immer sein wollte.

  • User: chronomancer
  • chronomancer 20.04.2005 | 17:58:48

    Finde die DVd auch ziemlich gelungen. Wenn man sicher auch bei den Smiths Songs eben den Rest der Band vermisst. Marr jedenfalls. Seine eigenen Songs wirken aber völlig ok auf mich.

    Die Extras dagegen sind was lau: 5 Songs vom Move (die aber eh alle im Manchester Konzert vorkamen, da hätte man doch sicher andere nehmen können) & die 3 bzw. 4 Videos, die man auch eh schon kannte, bzw. hatte. Da hätte mehr sein können...

  • User: otic
  • otic 20.04.2005 | 17:58:51
    You can call me John!
    "Wenn ein 45iger 'There is a light ...' singt, ist das fast so schlimm, als
    würden die 2 restlichen von The Who noch 'My Generation' lallen."

    Das ist doch absoluter Quatsch!

    Townshends Liveberechtigung an "MG" wird schon seit über 30 Jahren in Frage gestellt. Schon klar, daß es ironisch wird, wenn die Zeile des Anstoßes ("I hope I die...") von knapp 60jährigen performed wird. Ist sicherlich Interpretations- und Geschmackssache. Allerdings hat sich die Band (bes. Townshend) in den vergangenen Jahrzehnten dem Problem des Alterns immer wieder kritisch gestellt & wer eine neuere Liveshow gesehen hat, wird bemerkt haben, daß die alten Männer auf der Bühne eine kindliche Freude daran entwickelt haben, die alten Songs zu spielen, bzw. umzuarrangieren (War ja bei weitem nicht immer so.)

    Wenn du allerdings Probleme mit alten Bands hast, okay. Aber dann komm nicht mit dem ollen "MG"-Argument.

    Den Bezug zu Morrissey kann ich nicht nachvollziehen, da sein Stellenwert in der (britischen) Musikwelt wohl ein ganz anderer ist.
    Ich finde er macht eine großartige Figur als Soloentertainer. Peinlich geht da wohl anders.

    Aber wie gesagt: Hört sich eher nach "Aging-Phobie" an.
    Aber dann kannst du dich ja mit den alten Konserven trösten & hoffen, daß es mit dir niemals so weit kommt.

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •