BEWERTEN
 

Alec Empire

»Futurist«

[Empire / DHR / Rough Trade / VÖ: 04.04.2005 ]

Text: Rasmus Engler, Rasmus Engler

Es wäre diese Welt eine bessere, wenn nicht Prahlhans Küchenmeister wäre in den Promozettelschmierstuben. Überhaupt wäre das Vegetieren auf dem Erdenrund ein weniger beklagenswertes, würden sich nicht ach so viele Menschen ach so ernst nehmen und für derart wichtig halten: Herr Alexander Empire gedenkt mit seinem neuen Werk nicht weniger zu bewirken, als dass die „kids“ jener „blood rush“ ereile, den er höchstselbst vor Jahren zu spüren bekam, als ihm zum ersten Male „early Detroit techno“ oder „Japanese noise records“ zu Ohren kamen. Wer sich derart weit aus dem Fenster lehnt, muss, so will’s nun mal das Gesetz der Schwerkraft, und das ist nicht zu bestechen, eben damit rechnen, dass er mit dem Unterkiefer auf dem harten Trottoir der Wahrheit zerschellt.

Und die besagt, dass „Futurist“ mit seinen wirklich angenehm verzerrten Stromgitarren, den furios daherballernden und völlig stoischen Trommelschlägen und einem nachvollziehbar angepissten Gesang also wirklich derartig nach den Platten klingt, die man nur dann anhört, wenn der Arsch, der unter einem wohnt, mal wieder die Blues-Tonleiter auf seinem verstimmten Scheißinstrument hoch- und runterdudelt bzw. wenn man auf der Straße mal wieder irgendeiner Person begegnet ist, die mit dem eigenen Untergang direkt zu tun hatte. Lebensnotwendige und teilweise ziemlich alte Tonträger also, die nichts mit Zukunft zu tun haben, sondern mehr der Zertrümmerung der Gegenwart dienen – und darüber hinaus auch nichts weiter wollen. Und demnach einfach nicht an einem größenwahnsinnig daherstolpernden Anspruch scheitern müssen. Hier eine kleine Auflistung von Bands, die nie – wie bei „Futurist“ leider nur zu aufdringlich formuliert – das neue aufregende Ding sein oder gar Rock’n’Roll vor dem Tod durch Langeweile retten wollten, sondern mir schlicht und ergreifend in Situationen wie den oben beschriebenen den Hass und den Kummer aus dem Eierkopf ballern und dieser Angeberplatte eindeutig vorzuziehen sind (Empfehlungen!): Middle Class, Behead The Prophet No Lord Shall Live, Terveet Kädet, Orthrelm, Chaos Z, The Flying Luttenbachers, C.C.C.C. und, ach, ihr wisst doch selbst, was euch die Ohren schlackern lässt. PS: Übrigens bereitet mir das Aufbewahren von Kontoauszügen körperliches Unbehagen.



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