The Mars Volta
»Frances The Mute«
[Universal / VÖ: 21.02.2005 ]
Text:
Carsten Schumacher,
Carsten Schumacher
Herrlich, wen ›De-Loused In The Comatorium‹ schon an die Grenzen brachte, der wird bei ›Frances The Mute‹ erst recht entnervt aufgeben. Der Schrei nach den längst heilig gesprochenen At The Drive-In wird endlich verstummen, Prädikat zwecklos. Mars Volta haben sich noch tiefer in die Sache formerly known as Prog reingefuchst, haben Omar A Rodriquez-Lopez, den Gitarristen und Gründer der Band, als Produzenten alles zu Ende denken lassen. 77 Minuten lang! Man mag jetzt darüber spekulieren, ob Rick Rubin, der zuvor diese Position besetzt hatte, all das zugelassen hätte. Insgesamt ist das Ergebnis jedenfalls noch sperriger ausgefallen und trägt noch mehr von dem Geist in sich, der immer diese hässlichen Vergleiche nach sich zieht: Rush, Yes, Genesis, Pink Floyd.
Man kommt aus diesen Vergleichen nicht heraus, auch wenn man sie selber nicht mag. Natürlich ist auch ›Frances The Mute‹ wieder eine rauschhafte Reise, eine Gitarren-Orgie, ein überbordendes Konzept. Mit hinein spielt hier der Tod von Bassist Jeremy Ward 2003. Ward hatte damals ein Buch auf dem Rücksitz eines Wagens gefunden, das sich als Tagebuch einer ihm unbekannten Person entpuppte. Beim Lesen fand der Musiker fasziniert immer mehr Parallelen zu seinem eigenen Leben. Als der Musiker schließlich (vermutlich an einer Überdosis) starb, verwoben die anderen beides miteinander, um das Trauma des Verlustes in diesem Prozess zu verarbeiten. Ein Konzept, welches dem des Vorgängers ähnelt, bei dem es um den vor zehn Jahren verstorbenen Freund und Mentor Julio Venegas ging.
Aufgenommen wurde ›Frances The Mute‹, diese Buttercremetorte von einem Album, dann in Australien, Los Angeles, Puerto Rico und New York. Juan Alderete ist als neuer Bassist hinzugekommen, und Omars Bruder Marcel Rodriguez-Lopez unterstützt die bilinguale Band neuerdings mit Percussions. Selbst Pink-Floyd-Coverdesigner Storm Thorgerson hat sich wieder eine neue surrealistische Gestaltung einfallen lassen. Oberflächlich wirkt es also wie ein Sequel und erfüllt dadurch auch Erwartungen, von den Kompositionen her wird es jedoch sicher stärker polarisieren als sein Vorgänger.
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