Matt Sweeney / Bonnie »Prince« Billy
Superwolf
[Domino / Rough Trade]
Text:
Christian Steinbrink,
Christian Steinbrink
Manchmal beschlich mich in den letzten Monaten das Gefühl, dass Will Oldham seine scheinbar unumstürzbare Kultfigurenfunktion im Indie-Underground ganz geschickt dadurch manifestierte, dass er mit seinen Releases standhaft im Indiesektor verblieb, Interviewwünsche weitgehend ablehnte und sich und seine Platten dadurch rar machte. Denn auch wenn alles, was zuletzt kam, sehr schön war – so richtig neu klang nichts davon. Diesen Eindruck muss Oldham wohl auch gehabt haben, denn wieso sonst soll ein Songwriter einen anderen Songwriter darum bitten, seine Texte zu vertonen? Oldham traf diese Entscheidung und wählte dafür Matt Sweeney, dessen frühere Band Chavez mir nie sonderlich viel bedeutete und dessen zwischenzeitliches Allstar-Projekt Zwan grandios scheiterte, trotz der ohrwurmigen Hitsingle ›Honestly‹.
Nichtsdestotrotz hielt Sweeney in der Zwischenzeit seinen Status als eine der unbekannten Größen im US-amerikanischen Indierock, und spätestens jetzt weiß auch ich, wieso. Denn ›Superwolf‹ ist eine bittersüße Offenbarung. Die melancholischen, sehr karg arrangierten Stücke schwanken musikalisch mal in Richtung Alice In Chains, mal in die Richtung von Neil Youngs Soundtrack zu Jim Jarmuschs Film ›Dead Man‹. Bisweilen erinnern sie natürlich auch an die letzten Bonnie-»Prince«-Billy-Platten. Oldhams Stimme kommt dabei so wunderschön durch wie vielleicht noch nie zuvor, kongenial unterstützt von Backings von Sue Schofield oder Sweeney selbst. Singalong-Hits sucht man auf der Platte vergeblich, aber ›Superwolf‹ in seiner Gesamtheit ist wahrlich atemberaubend.Artikel kommentieren
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