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Low

»The Great Destroyer«

[Sanctuary / Rough Trade / VÖ: 24.01.2005 ]

Text: Felix Scharlau, Felix Scharlau
[3 Kommentare]

Das jüngst veröffentlichte Box-Set ›A Lifetime Of Temporary Relief‹ schien einen Ruhepunkt in der zehnjährigen Bandgeschichte von Low zu markieren. Es wurde mit Raritäten zurückgeschaut auf ein durchaus individuelles, wenn auch zumeist homophones Indie-Kunstwerk. Und es machte sich eine Art Jubiläumsnostalgie breit, die vergessen ließ, dass es auch irgendwie noch weitergehen musste. Am wahrscheinlichsten so: wunderschöne Songminimalismen, von Steve Albini in Szene gesetzt, bis zum Horizont. »Stagnation auf hohem Level« hätte die formalistische Kritikersprache das dann genannt. Kurz: Dass es nun mit ›The Great Destroyer‹ nicht, oder zumindest nicht zur Gänze, den x-ten Aufguss des Genannten gibt, überrascht genau genommen ganz schön.

Gerade zu Beginn des Albums ist plötzlich eine von Distortion begleitete Dringlichkeit spürbar, die die letzten Studio-Alben vermissen ließen. Hier kreischt mal ein Synthesizer, dort eine Gitarre, woanders wiederum ballert Mimi Parker ausnahmsweise mal auf ein Stand-Tom, das offensichtlich im Schiffsbauch eines Supertankers aufgenommen wurde. Irgendetwas ist also passiert in Duluth. Ob Alan Sparhawks zweite Band (ich glaube, sie hieß irgendwas mit Snakes) mit der Entwicklung nach Viertel vor Rock zu tun hat? Oder die Abwesenheit von Albini (wäre eigentlich unlogisch)? Wer weiß. Tatsache ist: Eine Bewegung hat stattgefunden, auch wenn diese nicht unbedingt Smashhits à la ›Sunflower‹ oder ›Over The Ocean‹ mit sich bringt. Dafür ein dynamisches Aufbrechen des Gewohnten, und das ist ganz schön was wert. Auch wenn »sich neu erfinden« als Terminus doch etwas zu übertrieben wäre.



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  • timwue 31.01.2005 | 18:16:26

    Mensch, das ist mir ja selten passiert in der letzen Zeit - eine Rezension, die ich nachvollziehen, ja sogar sympatisch finden kann. Ich finde diese Low-Platte genauso schön wie die vorhergehenden, manchmal sogar noch toller, weil mit der gut beschriebenen "Dringlichkeit" etwas Neues seinen Platz im Low-Spektrum gefunden hat. Und ich finde, das steht ihnen sehr gut.

  • User: deondevens
  • deondevens 31.01.2005 | 21:05:04

    Dieses Album ist eine Riesenenttäuschung. Ich hätte nie gedacht, dass Low, von denen jeder Ton einst magnetisch war, sich mal wie eine schlechte Cassettenkopie einer Boston-Platte anhören würden. Wieder einmal hat Mr. Fridmann eine meiner Lieblingsbands (nach Flaming Lips, den Delgados) durch seinen manirierten Übersteuerungs-Pseudo-Rock-Kakao gezogen.
    Das Schlimmste ist, dass dieses Machwerk ein schiefes Licht auf die frühere Low-Musik wirft. Wie konnten sie sich nur so verheizen lassen? War alles nur Pose?

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