Deltidseskapism
»Nattmusik«
[www.source-records.com / VÖ: 15.09.2004 ]
Text:
Jochen Bonz,
Jochen Bonz
Dieses Jahr hatte ich Angst, die Track-Musik, meine Musik würde hinter dem ganzen Rock verschwinden. Und das ist sie ja auch! Aber sie ist andererseits auch in ganz unerwarteten Formen zurückgekommen. Etwa aus der Vergangenheit einer New Yorker Avantgarde zwischen Larry Levan und den Talking Heads, Disco und New Wave bei Arthur Russell. Der ja auch ein Mann der Stimme ist. Oder bei der Frau der Stimme und den ganzen Stimmen, die sie mobilisiert, die sie in Aktion versetzt hat. Bei Björk ist die für Track-Musik typische Übersichtlichkeit und Ausgestelltheit der musikalischen Elemente durch die Reduktion auf die Stimmen in ihrer Vielzahl gefeiert, ja, gewissermaßen als Prinzip gerettet worden.
Und Deltidseskapism? Da ist das genial Track’ische einfach in modern; es erscheint in den herkömmlichen, den warmen und kühlen, sich festsetzenden und doch entziehenden, in den anschwellenden und knackigen, den flächigen, vor allem auch den changierenden, sich unter der Hand verändernden elektronischen Sounds unserer Zeit. Pulsierend. Das perfekte Minimal-Deep-House-Hör-Album! Dunkel und tief. Hier gibt’s wenig, woran man sich festhalten kann; gerade dadurch entsteht ein Raum, in den man sich tief fallen lassen kann.
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