BEWERTEN
 

Le Tigre

»This Island«

[Strummer / Universal / VÖ: 01.11.2004 ]

Text: Vina Yun, Vina Yun

Da ging ein Raunen durch die Fangemeinde: Nach dreijähriger Pause und langwieriger Labelsuche (Mr. Lady schloss zwischenzeitlich endgültig seine Pforten) veröffentlichen Le Tigre ihr neuestes Album auf einem Major. »Langweilig! Sell-out!« zeigten sich einige bereits im Vorfeld von ihrer feministischen Lieblingsband enttäuscht und witterten Verrat an den von Le Tigre selbst so hochgehaltenen D.I.Y.-Prinzipien. Nur allzu deutlich treten hier die Vorstellungen darüber, wie feministische Gegenkultur zu präsentieren sei, zu Tage: wütend, entfesselt, dissonant – und in sicherem Abstand zum Raubtier namens Mainstream.

Doch anstatt den massiven und durchaus unterschiedlichen Erwartungen, die – von verschiedensten Seiten – an Le Tigre als das Aushängeschild in Sachen Feminismus & Pop herangetragen werden, nachzuhecheln, weisen Kathleen Hanna, Johanna Fateman und J.D. Samson richtigerweise darauf hin, dass schon die Zuweisung dieser exklusiven Repräsentantinnen-Rolle an sich fragwürdig ist. Le Tigre tun daher das einzig Mögliche und stellen sich bereitwillig den Fragen und der Kritik ihrer Fanbase – »I don’t mind being debated as long as you’re with me tonight«, singt Kathleen Hanna etwa in ›After Dark‹, und gerade in dieser für Le Tigre so typischen Transparenz und Offenheit sollte sich ihr unbestechliches politisches Engagement einmal mehr bestätigen. Le Tigre haben nichts an Energie und kritischem Content eingebüßt: politisch stets explizit und outspoken, deklariert feministisch, ohne zu belehren, wie sich Feminismus definiert, und in ihren Botschaften um die Komplexität der Inhalte bemüht. Auf ihrer Agenda stehen die »politics of everyday life« und die Sichtbarkeit lesbischer Butch-Kultur, mit ›This Island‹ feiern Le Tigre aber auch den Protest: ›Seconds‹ und ›New Kicks‹ sind zwei Variationen des Protestsongs, die unter dem Eindruck und im Zuge der Anti-Bush-Demos und der globalen Anti-War-Bewegungen entstanden sind. Mit ihrer Devise »Make our message something you can feel in your body« – quasi die Übertragung von Emma Goldmans »If I can’t dance to it, it’s not my revolution« in die Gegenwart – eröffnen Le Tigre ein catchy Electro-Pop-Spektakel, das nicht die Punk-Sozialisation der Tigres vergisst. Und das eine sei noch gesagt: Nicht nur die Art und Weise, wie Le Tigre den Pointer-Sisters-Hit ›I’m So Excited‹ aus den 80ern aus seinem ursprünglichen Kontext herausnehmen, um ihn in einen Liebessong an das Publikum umzuwandeln, ist hinreißend – der Coversong ist schlichtweg ein Dancefloor-Knaller.



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