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Oma Hans

»Peggy«

[Schiffen / Indigo / VÖ 10.01.05 / VÖ: 10.01.2005 ]

Text: Klaas Tigchelaar, Klaas Tigchelaar
[20 Kommentare]

Deutschpunk, papperlapapp. Nietenarmband-Nostalgie ist zwar nicht von der Hand zu weisen, aber noch lange kein Grund, dogmatisch zu werden. Wo Boxhamsters, EA80 und Nachahmer sich lieber selbst treu bleiben und irgendwie stehen geblieben sind, ist sicherlich mehr Jugendträumerei zu holen. In Hamburch pflügt die Arche Oma Hans derweil unverdrossen weiter durch die Sturmfront. Nach vielen Namens- und Personalveränderungen hat Frontmann Jens Rachut bei der Oma offenbar ein zumindest kontemporäres warmes Zuhause gefunden. Auf die erste Mini-LP folgt nun schon der zweite Longplayer, erstmals mit einem nicht gemalten, dafür aber prollig-Furcht-einflößend fotografierten Cover.

Geradeheraus, mit den bekannten Mädchenchören und einem kleinen Kosakenchor winkt die Oma dem Punk endgültig auf Wiedersehen. Mann über Bord, auch egal. Und überhaupt: Was würde Labelling im Rachut-Kosmos von Angeschissen bis heute für einen Sinn machen? Die Gitarren klangen immer eher nach den Wipers, Schlagzeug und Bass groovten mit Absicht, und der kühn modulierte Sprechgesang von Jens war von Anfang an zwar immer wütend, aber nie aggressiv. Rachut als Rückgrat der Oma, mit seinen scheinbar improvisierten Texten, die mit ihren verworrenen Alltagsbetrachtungen jedoch oftmals ins Schwarze treffen. Obwohl Drummer Armin beinahe »einen Finger am angetrunkenen Kiez-Zaun vor dem Studio ließ« und Stephan Mahler (Ex-Slime u. v. a.) flink für ihn einsprang, ist ›Peggy‹ das bisher kompakteste Werk der Band geworden. Schnörkellos, manchmal heroisch, verzweifelt und mit nordisch kühlem Augenzwinkern schallt es zum ersten Mal von LP und auch CD. Der Fortschritt lässt sich wohl doch nicht ausblenden, aber möglicherweise schaltet Jens beim Fischen am norwegischen Fjord trotzdem sein Handy aus, wenn er mal grad nicht wütend ist und lieber ein Shanty pfeift. Das hätte auch dem Motormuschi-Gastsänger und HH-Punk-Diogenes Volker »Sittich« Neumann wieder gefallen. Die schweigsame Verkörperung der hanseatischen Definition von Punkrock mit zeitweiliger Mönchstonsur, Künstlerdiplom und Hausmeisterberufung ist im Oktober 2004 plötzlich und mit erst 42 Jahren verstorben, was hier nicht unerwähnt bleiben darf. Viel bleibt nicht mehr. R.I.P. Punk, R.I.P. Sittich. Aber die Oma, die wollen wir noch ein Weilchen behalten.



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aus Intro #123 (Dezember 2004 / Januar 2005)

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  • User: Schwarzer Friese
  • Schwarzer Friese 06.12.2004 | 08:49:57

    cool :)

    die Songs kann man sich wie immer
    auch schon auf "schiffen.de" in
    gewohnt schlechter mp3-Qualität
    anhören :)

    http://www.schiffen.de/schiff/new/ban
    d/cov_oh_peggy.htm

  • patte 06.12.2004 | 14:06:58
    #*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#
    ich verzichte aufs anhören und renne anfang nächsten jahres in den plattenladen.
    das jahr fängt gut an!

  • patte 10.01.2005 | 15:49:36
    #*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#
    heute, mesch heute is es ja soweit.

    ich kauf sie mir morgen, den tag kann ich noch warten.

  • User: Gina_Only
  • Gina_Only 10.01.2005 | 18:24:15

    na, hoffentlich wirst du nicht enttäuscht.

  • Son of Godiva 10.01.2005 | 22:08:24

    Angeblich/laut Spex ist die ja hörenswerter als der äusserst geistreiche Vernunftabbau.

    Wenn das mal so hinhaut. Irgendwie scheint mir die Journallie zuweilen deftigst angepisst. Hurra!

  • jimbob 10.01.2005 | 22:28:45

    warum heißt die eigentlich peggy?

  • patte 10.01.2005 | 23:39:22
    #*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#
    ach die werden mich schon nicht entäuschen können gina. glaubst du ich erwarte zuviel vom neuen album?

  • patte 11.01.2005 | 14:41:59
    #*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#
    musste vorhin im plattenladen 1 1/2 stücke hören weils die kassenfrau so lahm war. hab mir versucht die ohren zuzuhalten und hab lalala gesungen.
    will das ja schliesslich zu hause ganz frisch hören.
    nämlich jetzt.

  • User: Harold Z
  • Harold Z 12.01.2005 | 12:37:12

    Wir reden hier von Deiner Peggy, jimbob.
    Also nicht von Deiner, aber von Künzls Ex.

  • jimbob 12.01.2005 | 15:19:20

    @harold: das habe ich mir doch gleich gedacht!

  • patte 15.01.2005 | 15:44:51
    #*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#
    laut interview in der szene hamburg ist peggy rachuts mitbewohnerin, bei der namensgebung des albums habe man sich gar nichts gedacht.
    der mann ist inzwischen 52 jahre alt.
    die jungs und mädels sind kumpels von nem kumpel von rachut, die photos entstanden auf einer party, die modelle sollten einfach nur normal dreinschauen.

  • patte 29.01.2005 | 16:19:19
    #*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#*#
    ach ja, ist schon sehr schade dass es so wenige gute deutschsprachige musik wie die rachut musikprojekte gibt.
    die meissten punkbands sind unerträglich schlecht und bei diesen indiepopbands kommt mir die galle hoch.

  • User: kirschstern
  • kirschstern 29.01.2005 | 16:40:28

    Ich find sie auch toll. Irgendwie klingt sie mehr aus einem Guß als die Trapperfieber.

    Kettcar werden übrigens demnächst zuruckdissen:

    [...]
    ganz europa in der hand der römer
    nur ein kleines gallisches dorf
    schreit "tod der cd" und wir alle lieben märchen
    [...]
    und jetzt sind wir wieder schwierig und wir denken wir wären ehrlich
    und das schlimmste, das es gibt
    sind taxifahrer
    die in punkbands spielen
    und dir die welt erklären

    und jetzt sind wir wieder schwierig und wir denken wir wären ehrlich
    und das schlimmste das es gibt
    sind ex-punkbands
    die heute popsongs spielen
    und dir die welt erklären

  • User: Schwarzer Friese
  • Schwarzer Friese 29.01.2005 | 17:28:41

    die Wörter "Kettcar" und "dissen" (aktiv) passen für mich irgendwie nich zusammen. trotzdem glaub ich, dass all das sowieso nur noch zur Show gehört und wenn überhaupt, ausschließlich symbolische Kämpfe sind, die den Verkauf anheizen sollen, so nach dem Motto -hast Du die eine gehört, willst Du auch die Antwort der anderen haben-. die kennen sich doch und unterhalten sich wohl nicht nur mittels der Texte ihrer Platten, das glaubt denen doch keiner.
    die komplette Aufschrift "Tod der Scheisse. Tod der CD" ist schätzungsweise so um die zehn Jahre her und stand bei Oma Hans wohl nie mehr irgendwo drauf, und die Platten wo das aufs Sleeve gedruckt war, gibt's bis heute nicht auf CD.
    ausserdem find ich Taxifahrer die in Punkbands spielen und einem die Welt erklären eigentlich richtig gut und auf keinen Fall "schlimm", Ex-Punkbands die jetzt Popsongs spielen und einem die Welt erklären (damit meinen die möglicherweise selbstironisch auch sich selbst) hingegen nich ganz so doll :)

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