BEWERTEN
 

Eminem

»Encore«

[Interscope / Universal / VÖ: 12.11.2004 ]

Text: Hennes Go, Hennes Go
[6 Kommentare]

Dieses Album ist ganz klar der Blockbuster, der die neue U2 gerne wäre. Aber auch Eminem ist jetzt an dem Punkt, wo er medial so hochgepusht wurde, sich soviel Schweine an ihm gerieben haben, dass jedes Achselzucken Thema ist und sich eine damit einhergehende Übersättigung nicht mehr ignorieren lässt. Vor einigen Jahren war Eminem noch die Antwort auf alles. Die Kids staunten, die Eltern stöhnten, die Gitarrenheinis hatten durch ihn entweder plötzlich mehr Interesse an HipHop oder bemühten sich, Diskussionen um seine mitunter sexistischen und homophoben Texte anzuzetteln. Mittlerweile ist aus diesem Aufstieg à la Der-White-Rapper-Zeigt’s-Uns-Allen auch Alltag geworden.

Jeder will Eminem, schocken kann er aber schon längst niemanden mehr, darum tut er das, was er ohnehin besser kann: blödeln. In dem Video der ersten (von Dre produzierten) Single ›Just Lose It‹ macht er Späße darüber, dass Michael Jackson seine Nase verliert. Damit – mit Verlaub – kommt man doch eigentlich nur noch als Nachwuchscomedian auf dem Dorf durch. Vielleicht ist das ja aber auch eine Art Geschichtsstunde, denn die meisten Kids wissen ja gar nicht mehr so genau, wer oder was Michael Jackson ist. Und man darf nicht vergessen, dass Em seine größten Momente hatte, als er seinerzeit Britney anhoolte und über diesen entfesselten Comedy-Zank zum Rebell des Showbiz aufstieg. Und ›Encore‹ heißt ja auch recht unverblümt nichts weiter als noch einmal. ›Encore‹ ändert also wenig am Bestehenden. Neben Dre als Produzent sind auch wieder ausschließlich Künstler des eigenen Labels dabei (Obie Trice, 50 Cent oder D-12). Darin wird vielleicht noch eher als in den Songs deutlich, wie beflissen sich die Marke Eminem/Dre an der Spitze festsetzen möchte. Das alles ist kein pubertärer Spaß auf Beats, das ist jetzt eben ein Empire. Das ist jetzt U2. Nur dass es andere Rhythmen und so besitzt. Okay, ein bisschen was klingt auch im Vergleich zu Megasellern wie „Marshall Mathers LP“ oder „Eminem Show“ anders (die nicht unerheblich dazu beitrugen, dass er weltweit an die 30 Millionen Alben verkaufte). So singt Em bei den Hooks mittlerweile viel mehr. Das, was früher nur ein Kellerloch-Spot zwischendurch war, ist jetzt zu einer eigenen Suite ausgebaut worden. Das macht die neuen Songs dem Sonst-Nicht-HipHop-Hörer, der natürlich einen Großteil seines Erfolges verschuldet, noch zugänglicher. Der echte HipHopper ist dagegen enttäuscht von dieser Entwicklung. Die ersten Amazon-Kritiken sind zumindest vernichtender als bei den Veröffentlichungen zuvor. Dr.Dre sei über seinen Opa-Beats alt geworden, heißt es bei den Kundenrezensionen von den wenigen Kids, die es im überalterten Deutschland überhaupt noch gibt und die sich deshalb instinktiv schon wie Diktatoren aufführen. Und auch Opa Eminem kann das Familiäre nicht lassen. Rappt erneut, dass er seine Tochter liebt, seine Mutter hasst, seinen Vater nicht kennt. Naja. Dazu gibt es Tracks wie ›Like Toy Soldiers‹ mit einer Hook von einem Kinderchor. ›The Wall‹ von Pink Floyd, drunter macht er's eben nicht mehr. Von der verstörenden Düsterness alter Tage ist wenig übrig. Ein Blockbuster eben. Ach, das hatten wir schon. Dann nur noch soviel: Im Zuge der Kultivierung von Sound und Attitüde geriet Eminem mit seinem letzten bush-kritischen Video ja sogar schon in richtig respektable Zusammenhänge. Sein Sexismus und die Homophobie wurden (wie überhaupt schon immer bei HipHop) zum Nebenwiderspruch und an einigen Stellen kommen sogar dahingehend moderate Töne auf. Gratuliere. Eminem ist eine Institution geworden, ein Ex-Monster im Schlafrock, das sich keine Fehltritte erlauben will. Kurzum: Eminem ist Gerhard Schröder.



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  • karibikbanks 06.12.2004 | 19:09:42

    Hat die Intro eigentlich keine(n) Chefredakteur(e)? Wieso nimmt denn nicht endlich mal jemand den Praktikanten die CDs weg?
    Die Rezi gibt - wie so oft bei Intro - wenig her. Wie sind die Songs aufgebaut, welche Instrumente tragen die Stücke? Usw. usf.
    Da schreibt Villa Yum (herzallerliebster Name!), dass der Song "Like Toy Soldiers" von einem Kinderchor begleitet wird. So so. Dass es sich um ein Sample eines 90er-Hits einer Sängerin namens Martika handelt, schreibt Villa nicht, war damals vielleicht noch nicht auf der (Musik-) Welt. Stattdessen wird irgendetwas von Pink Floyd geschrieben, die ich auf dem gesammten Album nicht gehört habe. Eine Verwechslung? Oder will da jemand mit Fachwissen protzen, womit er/sie (was ist Villa?) baden geht?
    Nächstes Mal schreiben wir ein bisschen mehr darüber, was wir hören und wissen und weniger darüber, was wir uns einzubilden glauben, einverstanden, Villa?

  • schunkel 06.12.2004 | 19:51:30

    Im heft ist die Kritik nicht mit "Hennes Go" unterzeichnet?
    Ohne das Album zu kennen, finde ich die Reze aber sehr schön, besonders das Fazit "Eminem ist Gerhard Schröder."

  • User: groovelastig
  • groovelastig 15.12.2004 | 00:04:02

    ..

    inteserssant währe auch gewesen, dass 'encore' im amerikanisch-englischen soviel heisst wie 'zugabe' und damit in der langweiligkeit nur hinter selbstbetitelten alben zurückbleiben kann ..

    und selbstbetitelt hatte der eminem ja schon :- )

  • User: groovelastig
  • groovelastig 15.12.2004 | 00:07:25

    sorry für die rechtschreibe .. das intropoll-popup verursacht aber beim kommentare schreiben auch kackreiz . besonders wenn man schon aqbegestimmt hat ..

  • User: batewoman
  • batewoman 15.12.2004 | 08:38:55

    @groovelasting: Das steht aber drin.

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