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Monta

»Where Circles Begin«

[Rewika / Alive / VÖ: 18.10.2004 ]

Text: Vanessa Romotzky, Vanessa Romotzky
[8 Kommentare]

›Long Live The Quiet‹. Dieser Titel eines der zehn Songs auf dem Solo-Album von Miles’ Tobias Kuhn ist nicht das Einzige, was man hier als programmatisch verstehen könnte. Weiter geht es direkt im ersten Stück: »The love to leave behind / the need to find the new«, heißt es da. Abschiednehmen und Weiterziehen berühren sich, wie es der Titel der Platte schon sagt, in circles. Verlassensein, Verlassenwerden, Verlassen als Lebensmotive. So ist das, wenn Worte wie »goodbye«, »ok« und »fine« dicht beieinander stehen. Wie in dem Song ›Reasons‹ (mit einem Phoenix-Vibe beinahe one for the floor): »I’m here to say goodbye / and tell you that I’m ok« oder dem letzten Stück ›Parachute‹: »and at the doorway say goodbye / you will be fine«.

Auch musikalisch merkt man, welches Gespür Tobias für Einsprengsel besitzt. Ein bestimmter Gitarrensound im Hintergrund, der ein Gefühl auslöst, als würde sich eine Tiefe auftun, und man fällt und fällt. Bodenlos in die intime Homogenität dieser Platte. Neben Akustikgitarre und Klavier ist auch ein Bekannter der Monta-Debüt-EP ›Always Altamont‹ auf einigen Stücken wieder mit dabei: ein sphärische Geräusche erzeugendes Instrument namens Theremin. (»Played without being touched!« Welch ein toller Satz. Nachzulesen auf: www.thereminworld.com.) Ein weiterer Mitspieler ist Naked Lunchs Oliver Welter, der bereits mit Monta tourte und hier auf ›The Awakening‹, einem Stück über schamvolle Katerstimmung, die Sologitarre beisteuert. In allem deutlich: Tobias Kuhns sanfter, sorgfältiger, manchmal süßer Gesang und die Liebe zu schönen Melodien, die sich im Song ausbreiten, wiederholen und bei sich bleiben dürfen. Doch noch einmal zurück zur Psychologie des Albums: Einer der intensivsten, schönsten Momente findet sich mit dem obsessiven, zerbrechlich starken ›In Your Room‹, einem Depeche-Mode-Cover (ein solches war mit ›Shake The Disease‹ auch schon auf der EP zu hören). Vielleicht zu lesen als eine Ergänzung, dass es diese Unverzichtbarkeit und Unersetzlichkeit gibt, die einen manchmal eben doch vom Weiterziehen abhält: »I’m hanging on your words / living on your breath / feeling with your skin / will I always be here?«



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  • User: seDschei
  • seDschei 19.11.2004 | 16:52:14
    Nachbar
    Erstaunlich, wie sicher Tobias Kuhn auf dem schmalen Grat zwischen Gefuehl und Gefuehlsduselei entlangwandert. Nicht mal der Theremin-Sound geht auf die Nerven.
    Feine Sache. (Plus: die zweitbeste Depeche Mode-Coverversion aller Zeiten).

  • User: Kizmiaz
  • Kizmiaz 19.11.2004 | 17:00:01

    Welches ist denn die beste Coverversion von DM ? Johnny Cash*s "Personal Jesus" ?

  • User: strickliesel
  • strickliesel 19.11.2004 | 19:49:03

    zweimal gehört und für langweilig befunden. alles irgendwie ganz nett, aber nix bleibt hängen. ich glaub, dass wird nichts mit monta. letzte miles-platte war um längen besser.

  • User: Kizmiaz
  • Kizmiaz 19.11.2004 | 20:20:12

    Möchte mich strickliesels Urteil anschließen. DM-Coverversion finde ich langweilig, Rest der Platte ist auch nicht viel besser. "Farewell Dear Ghost" gefällt mir noch am besten, weil es mich an Syd Barrett erinnert. Ansonsten möchte ich an dieser Stelle Theremin-Liebhabern die 1996 bei "ellipsis arts" erschienene Sammlung GRAVIKORDS, WHIRLIES & PYROPHONES - EXPERIMENTAL MUSICAL INSTRUMENTS und Freunden melancholischer Musik Syd Barretts Solowerk und die erste Scheibe von THE PINK FLOYD mit Namen PIPER AT THE GATES OF DAWN oder meinetwegen auch die RELICS ans Herz legen.

  • User: Fortuna95
  • Fortuna95 19.11.2004 | 20:26:41

    sind die lieder ähnlich wie auf seiner EP? genauso viel elektro zeugs? stört mich immer irgendwie wenn ich die ep höre....fänds besser ohne. aber nichtsdestotrotz irgendwie ein toller künstler. hat mich im vorprogramm von elbow im letzten jahr begeistert, allerdings nur stimme und gitarre...

    achso...beste depeche mode cover natürlich johnny cashs "personal Jesus", einfach grandios...

    www.imgrundeknut.de

  • schunkel 19.11.2004 | 20:57:30

    Finde die Platte sehr stark, höre sie aber nicht allzu oft.

  • User: volljährigundgeimpft
  • volljährigundgeimpft 31.03.2005 | 12:59:04
    Can I Blame You?
    Ich schätze, alle die schrieben, dass da nix hängen blieb usw., haben der Platte vielleicht zu wenig Zeit gegeben.
    Jetzt kommt zwar der Sommer und so fehlen lange, dunkle, einsame Winterabende, zu denen man sich wundervoll mit Tee und Monta in eine Ecke verkriechen kann, es steht aber gleichzeitig eine Tour auf dem Programm.
    Und wer Monta schon live gesehen hat (ich gehöre seit kurzem auch dazu), der weiß, dass hier Musik gemacht wird, weil sie gemacht werden MUSS.
    So überzeugt war ich selten von einem Auftriit wie von diesem, der zwar in einer völlig unruhigen und unatmosphärischen Bahnhofskneipe stattfand, aber trotzdem von Anfang bis Ende mitgerissen hat.

    Einfach nochmal reinhören und beim Immergut und Populario gibt´s ja auch noch mal die Chance auf live-Erfahrung.

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