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Sid Le Rock

»Written In Lipstick«

[Ladomat / Mute / Emi / VÖ: 29.10.2004 ]

Text: Sebastian Ingenhoff, Sebastian Ingenhoff
[10 Kommentare]

Sheldon Thompson ist einer der wenigen Männer, die es sich wirklich leisten können, einen Fünf-Tage-Bart zu tragen. Er ist nämlich einer der wenigen, bei denen so ein Bart nicht gleich Zeugnis schimpansiger Virilität ist. Dazu hat er einfach viel zu liebe Äuglein, die häufig so traurig-suchend hin und her funkeln. Sheldon ist nämlich ein suchender Mensch, immer in der Schwebe. Immer nur in Zwischenräumen zu Hause. Das geht schon seit Jahren so. Vielleicht ist der gebürtige Kanadier ja deshalb nach Deutschland gezogen, ins exzentrische Köln, dort, wo jeder Mensch ein DJ ist und somit ein potenzieller Wirt für die von ihm produzierten Tracks. Selbst ein DJ zu werden, das liegt ihm fern, dazu mag er Musik nämlich viel zu gerne.

Eigentlich, so sagt er, kann er auch gar nicht wirklich auflegen, er verbocke immer die Übergänge. Und dabei funkeln seine braunen Äuglein schon wieder. Deshalb macht er die Musik lieber selbst, unter diversen Pseudonymen. Gringo Grinder zum Beispiel, der in diesem Jahr eine großartige Platte veröffentlicht hat, das war der Sheldon. Oder Pan/tone, erschienen auf Substatic. Sein neuestes Ding heißt Sid Le Rock. Und es geht jetzt tatsächlich etwas rockiger zu in Sheldons Mikrokosmos. Man hört mehr denn je seine eigentliche musikalische Sozialisation heraus, die damals in den Achtzigern mit Punk und Hardcore begann. Die Tracks werden angefeuert von einem rumpelnden Bass, der streckenweise sehr an Fugazi erinnert. Es gibt eine Coverversion von den Violent Femmes, vorgetragen mit seiner brummenden Stimme, dabei aber sehr dezent eingesungen. Es wirkt gar schon schüchtern, wie er hier seinen großen Idolen Tribut zollt. ›Bull Dozer‹ liefert eine halbe Breitseite, ein Feuer hymnisch anschwellender Akkorde, ohne aber effekthascherisch daherzukommen. Auch großartig ist ›Ocean View‹, das durch den weiblichen Gesang und die vielen Flächen schon sehr elegisch wirkt, wobei ihm natürlich auch das gerade angedeutete Trance-Revival zupass kommt. Die Gefahr, ins Kitschige abzudriften, besteht dabei nicht, denn immer wieder zieht er die Reißleine und gibt den Tracks eine neue Wendung, nimmt hier wieder etwas Fläche weg oder deutet dort mal eine Gitarre an. So verdingt er sich insgeheim als Vermittler zwischen diversen Polen, den großflächig ausstaffierten, angetranceten Passagen auf der einen und sehr pointierten, metallenen Minimalsounds auf der anderen Seite. Ein Dazwischensein eben. Aber immer kunstvoll drapiert. Dieser Sheldon ist halt ein sehr feinsinniger Mensch, das verraten ja schon seine Augen. Und die dazugehörige Platte ist bereits jetzt ein Hammer unter den Hammern dieser Dancefloor-Saison. Entschuldigung.



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  • User: Reverend
  • Reverend 08.11.2004 | 12:04:24
    war immer aufrichtig
    Die Platte schließt soundtechnisch ganz gut an Alter Egos "Transphormer" an. Ich finde dieses immer gleiche Sägezahnstampfen allerdings auf Dauer ein bisschen zu eintönig.

  • User: Soundbwoy
  • Soundbwoy 08.11.2004 | 12:20:18

    auch toll zum nebenbei Tanzen :)

  • User: ned nederlander
  • ned nederlander 08.11.2004 | 21:48:47

    alter ego "daktari"-remixe von ricardo & robag = ganz, ganz groß...

  • Fluxus23 17.12.2004 | 18:56:33

    Hab den Herrn neulich in Osnabrück live machen hörn, das hatte was...

  • User: lamb
  • lamb 17.12.2004 | 19:06:18
    schreibt
    auch mal die neue formidable pan/tone-platte (inkl. bonus-remix-album) anhören. sehr schönes teil!

  • User: seemon
  • seemon 18.12.2004 | 14:23:34

    toll, in osna hätte ich ihn auch sehen wollen, nur stand auf seiner homepage kein veranstaltungsort, und sonst habe ich auch nirgendwo etwas drüber erfahren.

  • User: MothersNewCreature
  • MothersNewCreature 19.12.2004 | 11:52:48

    @ned: Robag = ja, aber den Villalobos-Remix finde ich sterbenslangweilig. Der geht mir geradezu auf die Nerven.

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