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Tiger Saw

»Gimme Danger / Gimme Sweetness«

[Kimchee / Broken Silence / VÖ: 20.09.2004 ]

Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink

Auch wenn ich jetzt ein bisschen ungerecht bin: Es ist manchmal schon ärgerlich, wie sehr die Band Low auf das für sie schon fast sprichwörtliche Merkmal der Langsamkeit reduziert wird. Müsste doch der viel stärker hervorzuhebende Aspekt bei ihnen die Fähigkeit zu virtuosen, fast gottgleichen Arrangements und gekonnt aufgezogenen Spannungsbögen sein. So wird jedes Jahr Dutzenden von Bands ein Verweis auf Low in ihr Info geschrieben, weil sie ja auch so langsam sind. Wenn man etwas stärker werten möchte, spricht man von Melancholie oder Sensibilität.

Bei den vorliegenden Platten von Seekonk aus Portland und Tiger Saw aus Newsburyport krankt die Langsamkeit im Songwriting aber an – ja, sagen wir es ruhig – Langeweile.

Nehmen wir als Beispiel Tiger Saw: Ich will auf keinen Fall sagen, dass es auf ›Gimme Danger ...‹ keine guten Momente gibt. Ein paar der sehr reduziert instrumentierten Arrangements sind ganz herzerweichend, gerade in Kombination mit dem zweistimmigen, gemischtgeschlechtlichen Gesang. Auf die Dauer ist es aber einfach zu dünn, die Gitarreneffekte ewig nachklingen zu lassen und das Schlagzeugspiel auf das Allernotwendigste zu beschränken. Gerade auch, weil die Songs von Tiger Saw eigentlich ganz griffig sind, nicht umsonst wird der wirklich ganz großartigen Indieband Wolf Colonel mit einem Cover von ›The Goodbye‹ die Ehre erwiesen. Hätten die Songs auf ›Gimme Danger ...‹ ein bisschen mehr Tempo, Tiger Saw wären auch eine ganz großartige Indieband. Ansätze dafür finden sich z. B. im zweiten Track ›Love Will Kill‹. So aber verliert man sich in verkümmernder Überambition. Schade, denn Talent wäre durchaus vorhanden gewesen. Bei Seekonk verhält sich das ein bisschen besänftigender. Denn streckenweise nutzen sie monotone, an Smog erinnernde psychedelische Elemente, die ihre Intention nachvollziehbar machen. Sie bewegen sich damit etwas vom Folk weg, hin zu auf Velvet Underground oder Can verweisende experimentelle Künstlichkeit. Manchmal zweigen sie atmosphärisch auch in Richtung Ambient ab, was in diesem Zusammenhang ganz wohltuend ist. Heraus kommen dabei recht frische, aufgeräumte, nicht uninteressante Soundscapes. Letztendlich reicht aber auch das nicht, um restlos zu überzeugen.



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