Ex und hop
»mit Uwe Buschmann«
Text:
Uwe Buschmann,
Uwe Buschmann
J-Kwon ›Hood Hop‹ (Arista / BMG) – To be or not to be-boy? – Das ist hier die Frage. Natürlich möchte jeder aufrechte Breaker seinem ersten Impuls nachgeben und J-Kwon direkt in die brennende HipHop-Mülltonne des Vergessens kicken, zieren doch seine Biografie alle »Vom Teenage-Ghetto-Kid zum Plattenmillionär«-Klischees (Straßenleben, Drugdealer, Teenage-Father ...), die sich ein A&R überhaupt nur ausdenken kann. Und trotzdem. Sein Single-Hit ›Tipsy‹ war ein echter Bouncer vor dem Herrn, der mit coolem Oldschool-Flavor zu überzeugen wusste. Und auch das dazugehörige Album ›Hood Hop‹ hat auf der nächsten Party definitiv eine faire Plattenteller-Chance verdient.
Pete Pablo ›Still Writing In My Diary: 2nd Entry‹ (Jive / BMG) – Die Liste an Beispielen ist lang: HipHop-Beats, die erst zum Im- und Exportschlager und dann zur eigenen Karikatur wurden.
Charlie »Eskimo« Fox ›Nattorius – Alter Riddim‹ (On-U Sound / Echo Beach / Indigo) – Charlie Fox ist ein echtes On-U-Sound-Urgestein. Er war Mitglied von Creation Rebel, gehörte zur Erstausgabe von African Head Charge und war loses Bindeglied bei den New Age Steppers oder den Singers & Players. Mit diesem Hintergrund und diesem Album ist jetzt sein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: Erstmalig geht er komplett solo mit seinen eigenen Songs und Kompositionen. Elfmal Reggae/Dub/Funk, bis dass der Bass das Dach abhebt.
Moses Pelham ›Ein Schöner Tag‹ (3p) – Erster Vorbote auf das Album ›Geteiltes Land II‹. Im Intro zum Song ›Ein Schöner Tag‹ gibt’s Marvin Gaye. Dann treffen mellow Beats auf einen kämpferischen Text, wo sich (vermutlich zur eigenen Überraschung) M. Horkheimer & T. Adorno, Taliban und Reinhard Mey wieder finden. Zur Krönung: Ein Refrain, den man vielleicht schon mal in einem Werbespot gehört haben könnte. Der zweite Song ›Dein Mann‹ kommt im pompigen P.Diddy-Style. Die Welt ist ein Selbstbedienungsladen.
Kalusha ›Nicht Zur Nachahmung Empfohlen!‹ (Ypsilon / Edel) – Ist das nun einer, den das Leben einmal zu oft angespuckt hat? Oder einer, der um diese Erfahrung reicher werden musste, damit es zu dieser Platte kam? 2002: Standort Wedding, Berlin. Raubüberfall. Ab geht’s in die Zelle. Während der Ausgangszeiten arbeitet Kalusha an den Beats und Reimen seines Albums. Dort verarbeitet er Erfahrungen wie rechtsradikale Anfeindungen oder boss of the gang zu sein. Ein akustischer Bericht von einer deutschen Kriminellenkarriere, schonungslos, hart, wütend.
Zoe ›Exile African‹ (Chet / Sony) – Zoe (sprich: So-i) wurde in Liberia, in einem Ort namens Bong Mine geboren. Nur ein halbes Jahr später kam sie nach Penzberg in Bayern. Mit ›Exile African‹ veröffentlicht die Sängerin und Songschreiberin ihr zweites Album. Mit ihren zwölf neuen Songs beweist Zoe, dass man gekonnt, soft und easy Reggae, Ska und Soul kombinieren kann, ohne dabei automatisch bei ›Sunshine Reggae‹, Neckermann & Co.-Schlagern landen zu müssen. Like an ice-vibe in the sunshine. El Payo Malo ›Equilibrio‹ (Avoid) – Er gilt als der Numero-uno-MC aus Spanien. Geboren in Granada und jetzt wohnhaft in Barcelona, steigt El Payo Malo nun mit seinem zweiten Album in die Arena. Reines Sampling scheint ihm dabei ein rotes Tuch zu sein, er setzt lieber echte Instrumente (Percussions, Klavier, Flamencogitarren, Synthies) ein und swingt so stilsicher zwischen Jazz, Funk, Soul, R’n’B und auch Rock hin und her. Der hypnotische Flow der spanischen Sprache besorgt den Rest. Olé?
Instituto Collective ›Colecao Nacional‹ (Beleza) – Party am Zuckerhut. Einen super Überblick, was in und um Sao Paulo herum schon alles passiert ist, liefert diese Compilation. Dope, cool und doch unglaublich schön.
Dillinja ›My Sound‹ (Valve Recordings / Groove Attack) – Während der zwirbelnden Blütezeit des britischen Drum’n’Bass war Dillinja einer der ganz großen Helden. Dark, kompromisslos und mit einer gesunden Härte ausgestattet, sorgten Hits wie ›Acid Track‹, ›Threshold‹ oder ›The Angel Fells‹ für heftiges Bauchfellwummern auf den Clubtanzfluren. Diese Platte bringt jetzt noch mal seine besten Bass-Roller und neues Material zum Vorschein. Welcome to the next dancefloor destruction.
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