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The Libertines

»The Libertines«

[Rough Trade / VÖ: 21.10.2002 ]

Text: Pascal Blum, Pascal Blum

Das zweite Libertines-Album beginnt mit einem Ende. Ha, schon wieder auf den billig fett gedruckten ersten Satz reingefallen. Das zweite Libertines-Album begann eher mit dem Single-Vorboten ›Can’t Stand Me Now‹, der uns irgendwann in der Redaktion erreichte und schon im Titel vorgeben wollte, er wüsste insgeheim, was die Fans gerade von der klassischen Loslösung-Story »Sänger Pete Doherty geht weg wegen Drogen und kommt aber wieder zurück und etc. pp.« halten. Nämlich zurzeit mal gar nichts. Nach dem ersten Takt bricht das Lied auch gleich ab. Als wollte Pete Doherty sagen: Das war’s, ich gehe jetzt. »What a waster«, dachten wir gleich und machten aus den alten Presseinfos ein Feuer, auf denen fett gedruckt »Das nächste große Ding« stand.

Hätten wir nicht tun sollen. Denn das zweite, schlicht selbst betitelte Album, wieder produziert von Mick Jones (The Clash, you know?), ist genauso schlicht großartig. Kein Blender, kein ›Up The Bracket‹ und sicher kein First-Sight-Album. Eher wollen uns die Libertines zuerst einmal mit diesem Hütchentrick vorgaukeln, sie hätten das ach so wichtige zweite Album in all den widrigen Drogen-Umständen halt nicht so recht hingekriegt. Dabei muss man der Platte Zeit lassen und damit die Vorspiegelung falscher Tatsachen aufdecken. Denn: Es sind die besseren Libertines geworden. Es sind spektakuläre Rocksongs geworden, in einem klassischen Sinne des Rocksong-Schreibens. Und die anfängliche Verärgerung über den Hit-Mangel weicht durchs erneute und erneute Hören der Überzeugung, dass ›The Libertines‹ ein Single-Album geworden ist. Really: No Fillers. Nach einer Weile wird’s zum Lieblings-T-Shirt. ›Can’t Stand Me Now‹ handelt dann auch nicht mehr von der Beziehung Pete Doherty zu seinen Fans, sondern von der zwischen Doherty und seinem Band-Gespielen und Intimfreund Carl Barât. ›Arbeit Macht Frei‹ hat zwar einen abschreckenden Titel, geht aber ganz einfach gegen Rassismus an. Und die Ballade ›Music When The Lights Go Out‹ spielt sich immer mehr zum absoluten Favoriten hoch. Ein abwechslungsreiches, stimmungsgeladenes Album, das erst mal geknackt werden muss. Die Libertines-Story hätte nach dem fett gedruckten Start in irgendeinem irrelevanten Trip enden können. Aber wenn es musikalisch so weitergeht, dann ertragen wir auch dieses »pure Rock’n’Roll-Leben«, wie es der Info-Zettel euphemistisch nennt.



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