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Soulwax

»Any Minute Now«

[Pias / Rough Trade / VÖ: 23.08.2004 ]

Text: Björn Krüger, Björn Krüger

Ein Trip. Und eigentlich fehlen mir dir Worte. Sei’s drum ... schließlich habe ich sechs Jahre lang auf ›Any Minute Now‹ gewartet. Ich bekomme die Scheibe auf Doppel-Vinyl zugeschickt. Das macht mich einen Meter größer bei meinen Freunden, die schon vor Wochen gesagt haben, dass sie jemanden kennen, dessen Freundin jemanden getroffen hat, der schon einen Song von der »neuen Soulwax« gehört haben soll. Wow. Ein gut gehütetes Geheimnis, diese Platte. Weil alle darauf gewartet haben. Und dann höre ich den Opener ›E-Talking‹. Und ich höre nicht auf zu grinsen. Ein nicht enden wollendes Intro räumt meine gesammelten Erwartungen an diese Platte einfach weg.

Was sollte man eigentlich erwarten? Ein elektronischeres Album, wegen der 2-Many-DJ’s-Aktivitäten der Belgier? Ist es geworden. Und das passt. Die lange Wartezeit ist entschuldigt. So ein Album nimmt man nicht in ein paar Wochen auf. Die Platte klingt, als hätten Band und Produzent Flood die Songs aufgenommen, mit unzähligen Schichten von Sounds, Melodien, Samples und Loops bearbeitet und dann doch wieder bei null angefangen, um eine ganz andere Version auszuprobieren. Jedes Detail sitzt – perfekt konstruiert – an seinem Platz. Gerade läuft ›Compute‹, der vierte Song des Albums. Und ich will auf der Stelle selbst Musik machen. Weil Soulwax das tun, wovon andere immer nur sagen, dass sie es gerne mal ausprobieren würden. Alles ist möglich. In 50 Minuten. Die machen das einfach. Packen Melancholie neben Rock neben Elektro neben Tanzen neben Pop neben Gänsehaut neben Euphorie neben Lo-Fi neben ... Und weil sich niemand anderes getraut hat, ernten Soulwax sechs Jahre nach ›Much Against Everyone’s Advice‹ selbst. Herzlichen Glückwunsch. Jetzt versinke ich in einem schleppenden Monster namens ›Accidents & Compliments‹. Ich habe mich mal mit einer befreundeten Musikerin über einen Song gestritten, den sie geschrieben hatte. In diesem Lied tauchte ein einziges Mal ein Part auf, der so offensichtlich so packend, so verführerisch, so Pop war, dass er nach Wiederholung schrie. Ich wollte das noch öfter im Song hören. Sie aber war überzeugt, dass es richtig sei, den Hörern möglichst »wenig Zucker« zu geben, damit sie den Song auch ganz sicher noch mal hören wollten. Soulwax können das in Perfektion. Es sind diese poppigen Melodien, die im nächsten Moment – durch scheinbar so nie gehörte Harmonieläufe – wieder in eine ganz andere Richtung driften. ›The Truth Is So Boring‹ läuft, und ich frage mich, woher diese Sounds kommen ... Ich muss einen Platz in meiner »best records ever«-Liste räumen. Und wenn so eine Soulwax-Platte sechs Jahre braucht, warte ich ab sofort geduldig bis 2010. Der Plattenspieler knackst. Stopp. Zurück. Noch mal von vorn. Ein Trip.



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