BEWERTEN
 

Orbital

»Blue Album«

[Hti / Rough Trade / VÖ: 21.06.2004 ]

Text: Felix Scharlau, Felix Scharlau

Die Brüder Hartnoll machen Schluss. Zumindest mit Orbital. Ein bisschen traurig ist das schon, auch wenn die schlechteren Alben der vergangenen Jahre diesen Schritt nahe zu legen schienen. Die kreative und kommerzielle Hochphase des Duos lag in einer Zeit, als es noch eine MTV-Sendung namens ›Chillout Zone‹ gab, auf die sämtliche Kiffer-WGs Deutschlands tagelang hinfieberten, um das zu sehen: 3D-Animationen, die heute jedes Handy-Display hinbekommen würde, und hin und wieder auch ›Belfast‹ – einen der frühen und zugleich schönsten Tracks von Orbital. Orbital waren seitdem in einem Genre relativer Austauschbarkeit etwas Besonderes und jederzeit als sie zu erkennen.

Eigenwillige Track-Montagen, die lange vor Bastard-Pop schon Bon Jovi sampelten, verbrüderten Techno und Rock und schafften es konsequenterweise auch bis zum Headliner-Slot des Glastonbury-Festivals. Im harmonischen System wie manisch vagierende Akkorde und ständige Tonartwechsel machten ihre Musik in Kategorien wie fröhlich/traurig oder euphorisch/beklemmend nahezu unlesbar und sorgten entsprechend für emotionale Verwirrung auf dem Dancefloor. Ein ästhetisches Prinzip – Debussy nicht unähnlich –, das dazu veranlasste, es wieder und wieder hören zu wollen. ›Blue Album‹ ist jetzt auch jenseits des Titels (der auf die frühen ›Brown ...‹ bzw. ›Green Album‹ referiert) eine Reise in die Vergangenheit, die deutlich die Luft von Abschied atmet. Die gebrocheneren, Drum’n’Bass-beeinflussten Stücke der letzten Alben (v. a. auf ›In-Sides‹) sind vermehrt den warmen Industrial-Sounds und Techno-Beats der Frühphase gewichen, als wollten Orbital auf ihrer Ehrenrunde noch einmal jedem Teil ihrer Geschichte zuwinken. Konsequenterweise hat das der Platte trotz ihrer mittlerweile outdatet erscheinenden Stilistik mehr als gut getan. Auf neun Tracks wird eine Zugaben-Revue entfesselt, die wohl inszeniert wirkt, dabei aber ohne Bombast, Effekthascherei und zu viel Pathos auskommt. Dass das letzte von vielen wunderschönen Stücken, ›One Perfect Sunrise‹, wie der Abspann eines Films klingt, ist nur logisch. Aber auch wenn Schluss ist – irgendeine Fortsetzung wird es geben. Bestimmt.



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