BEWERTEN
 

Wilco

»A Ghost Is Born«

[Nonesuch / Wea / VÖ: 21.06.2004 ]

Text: andreas schnell, andreas schnell

›Summerteeth‹ war vor ungefähr sechs Jahren eine Anfixe, die sich gewaschen hatte. Wer konnte dazu schon nein sagen? ›Yankee Hotel Foxtrot‹ mit Produzent Jim O’Rourke brachte eine neue musikalische Freiheit, die auf ›A Ghost Is Born‹ noch ausgebaut wurde. Die selbstredend erlesenen Songs sind immer noch mit bittersüßen Zeilen gespickt. Aber Tweedy lässt sie weder einfach schöne Songs sein, noch gibt er ihnen den klassizistischen Schliff von ›Summerteeth‹. Das neue Album sollte live klingen, rau. Wie Tweedy selbst notiert: »Es gibt eigentlich einen großen Unterschied zwischen Komposition und Improvisation, aber für mich besitzt der keine besondere Relevanz.« Man hört ›A Ghost Is Born‹ das Werden an – das macht den größten Unterschied zu den bisherigen Platten aus.

Eruptive, manchmal an Neil Young erinnernde Soli, ausgedehnte Abfahrten, offenere Strukturen, bis hin zum vorletzten Song, der sich nach einer Weile ganz ins Freie verläuft. Auf dem Hurricane-Festival fügte sich das meiste davon ganz selbstverständlich zwischen die älteren Stücke. In erster Linie also ein Produktionsexperiment, dieses Album, mit seinen aus langen Jams herausgearbeiteten Songs – ein gelungenes obendrein, dessen Reize sich nach und nach immer mehr entblößen. Mittlerweile spielt übrigens Gitarrengott Nels Cline (remember Geraldine Fibbers, Mike Watts Solo-Alben und eine ganze Latte abenteuerlicher Jazz-Rock-Exkursionen) bei Wilco. Das heißt wohl nichts anderes als: »Weiter so!«



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