BEWERTEN
 

Junesex

»So Fucking Chic«

[Pop-up / Edel / VÖ: 16.08.2004 ]

Text: Sebastian Ingenhoff, Sebastian Ingenhoff

Pärchenbildungen in der eigenen sozialen Gruppe sind meistens gefährlich, nicht selten leiten sie das Ende derselben ein. Sie führen zu Abkapselung, Aufgabe der einst vertretenen Werte und zwangsläufig auch irgendwann zu Sex. Und dass Sex in den 2000er-Jahren etwas völlig Reaktionäres ist, das bestenfalls nur noch ›Sex And The City‹-Gucker und Neoliberale praktizieren, ist auch mal klar. Sexualität als System sozialer Hierarchie. Wer hier nicht mitmacht, ist weltfremd oder mindestens Terrorist. Rammeln für den Staat und seine Kinder. In den Siebzigern war das noch anders. Sex wurde hier als Tool eingesetzt, um verkrustete Strukturen aufzubrechen und Willy Brandt im doppelten Sinne impotent zu machen.

Die Vorbilder hießen dementsprechend William Burroughs, Uschi Obermeier oder auch mal Abba. Wie Abba besteht auch das französische Quartett Junesex aus zwei zusammen musizierenden Pärchen, die eine Menge Sex haben. Was der Bandname bereits vage andeutet, wird auf der Platte konsequent vollzogen: Junesex bedienen sich aus dem Fundus sämtlicher Musikstile, die in irgendeiner Form mit dem Begriff sexy belegt sind. Soul, Funk und HipHop werden einem elektronischen Überbau unterworfen und in das weite Feld des Pop hinübergerettet, um dort schließlich tranchiert zu werden. Der zweite Track ist gleich ein Cover von Run D.M.C. (›U B Illin‹), das durch den Einsatz einer Flöte und die Herausnahme des Beats so zerhackt wird, dass vom Original nur noch Spurenelemente bleiben. In ihrer minimalen Herangehensweise und vor allem ihren dürren Beats erinnern Junesex teilweise an so manche Kompakt-Veröffentlichung, dennoch gibt es immer wieder Brüche in Form von aggressiven, dann eher Gigolo-mäßigen Haudrauf-Tracks wie zum Beispiel ›Bodily Fluids On The Carpet Pt. 2‹. Einigen dürften Junesex bereits bekannt sein durch die Single ›Fast Food Messiahs‹, die schon in sämtlichen Clubs in Alteuropa rauf- und runtergespielt wurde. Die anderen auf ›So Fucking Chic‹ befindlichen Tracks werden in ebendiesen Clubs wohl noch folgen, und meine Bitte an Pop-up lautet schon mal: ›Gets Close To Mine‹ bitte als 12-Inch veröffentlichen, mit einem schönen Cover ohne Sex. Den muss man ihnen nämlich noch austreiben. Wir sind hier schließlich nicht in den wilden Siebzigern.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
Anzeige
 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •