BEWERTEN
 

Jimi Tenor

»Beyond The Stars«

[Kitty-Yo / Indigo / VÖ: 30.07.2004 ]

Text: T.L. Renzsche, T.L. Renzsche

Endlich scheint wieder ein Moment der Beständigkeit bei Jimi Tenor eingekehrt zu sein. Er veröffentlicht bereits das zweite Album hintereinander bei Kitty-Yo. Vergessen die turbulenten Tage, wo der exzentrische Finne und sein früheres Label Warp sich über die zukünftige künstlerische Ausrichtung so in die Wolle bekommen haben, dass die Kluft zwischen freejazzigen Orchesterambitionen (Tenor) und eingängigem knalligen, verkäuflichen Pop-Techno in der Tradition von ›Take Me Baby‹, seinem Monsterhit (Warp), nicht mehr reparabel war. Wobei es ja nicht so ist, dass man die Position Warps nicht so recht nachvollziehen könnte. Tenor war immer dann spannender, wenn er konkreter gearbeitet hat, wenn sein Sound diese speziell nordische Form von Techno eklektisch, aber dennoch mit einer ausdefinierten Strenge erforscht hat.

In seinen größten Momenten lieferte er eine kühlere Vision von Detroit-Techno mit einem ganz eigenen Chicago-(House-)Pop-Flavour ab. Ausflüge ins Sun-Ra’sche passten da in die Warp’sche Exzentrik noch ganz gut rein, aber als er das Gewicht zu sehr auf Jazz, Neo-Gedaddel und Größenwahn legte (Orchester-Träume), wurde es, um es gelinde zu schreiben, schwierig. Nun muss man Kitty-Yo hoch anrechnen, dass sie ihn stützen auf diesem für ihn selbst sicherlich höchst spannenden Weg. Inwieweit dieser es allerdings noch für uns ist, sei durchaus zur Diskussion gestellt – aber andererseits wissen wir ja auch, dass die von uns Hipstern beerdigten Themen oft jene sind, die bei weniger mit Musik zugeschissenen Leuten auf reges Interesse stoßen. Aussageabsicht: Ich empfinde auch die neuesten Bemühungen von Jimi Tenor, sich eine absolutistische Freigeistigkeit zu schenken, leider nur als selbige: Bemühungen. Das klang alles viel stimmiger, als es noch nicht so sehr auf Kultur in Großbuchstaben angelegt war. Für Montreux reicht so was sicher, aber spannender wäre es, Tenor würde sich wirklich da ranwagen, wo er hingehört: an die Schnittstelle aus Arto Lindsay und Säkhö.



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