BEWERTEN
 

Sonic Youth

»Sonic Nurse«

[Motor / Universal / VÖ: 07.06.2004 ]

Text: Autor unbekannt

Es ist noch gar nicht so lange her, etwa sechs, sieben Jahre, da waren Sonic Youth alles andere als unumstritten: Die Band wirkte überaltert, hinkte abgeschlagen hinter den angesagten Musiktrends der 90er-Jahre (Postrock! Techno!) her. Sonic Youth galten als unglückliche Verbindung von Wertkonservatismus und ergrauter New Yorker Underground-Ethik. Seit ihrem Album ›NYC Ghosts & Flowers‹ (2000), seit die Band Jim O’Rourke, den Innovator der 90er-Jahre, in ihren Kosmos integriert hat, seit der NYer Undergroundsound wieder schwer angesagt ist, sind Sonic Youth fein raus: Ihr Sound klingt wieder wach und frisch, ihr Networking in den diversen Szenen von Free Jazz bis bildender Kunst ist visionär, und ihr Wertkonservatismus erscheint als Ausdruck von Reife und Weisheit (Lee Ranaldo, Thurston Moore und Kim Gordon, der Kern der Band seit 1980, marschieren stramm auf die 50 zu).

In exakt dieses Raster passt ›Sonic Nurse‹, ihr 17. Album, das zweite nach dem Relaunch ›NYC Ghosts & Flowers‹. Es ist einerseits extrem unspektakulär, nichts ist hier unbekannt: das rumpelnde Schlagzeug Steve Shelleys, die gehauchte Aggressivität Kim Gordons, die Gitarrenkaskaden von Ranaldo und Moore. Andererseits ist ›Sonic Nurse‹ durchgearbeitet bis in die Zehenspitzen. O’Rourke, der das Album produziert hat, verpasste der Aufnahme eine kristallklare Transparenz. Jedes Detail scheint herausgearbeitet. Kleine, richtig rockende Hooklines sind zu entdecken, beinahe konventionelle Gitarrensoli erklingen, die Band insgesamt kommt kompakt und aufgeräumt rüber. Von Müdigkeit keine Spur. Vor diesem Hintergrund können sie sich dann auch ausschweifender und weicher geben als auf ihrem letzten Album, dem härter rockenderen ›Murray Street‹ (2002). Vielleicht schlägt in zwei Jahren das Pendel wieder gegen sie aus. Sonic Youth wissen aber, allerspätestens mit diesem Album, dass sie einfach nur weitermachen müssen. Die Zeit heilt alle Wunden.
Felix Klopotek

Run down to the bookies and ask for the odds on Sonic Youth hitting the top spot for this year’s Christmas Number One. No really just go do it for a laugh. Bring a camera, take a picture of the looks on their faces. Why on earth isn’t there an ›Avante Garde [un-listenable but très cool] Idol‹ show for the nation’s teens to be mind-wiped by on saturday evenings? Beats me ... Thurston, Kim and Co. return with another album of what we’ve come to expect from them in recent outings. The first half of opener ›Pattern Recognition‹ fools us into thinking we might have a new Alt-Rock ›Dirty‹ on our hands, but that’s quickly thrown out the window to make way for an hour of seemingly endless haunted drones. ›Dripping Dream‹ and ›Dead Boy Blue‹ will keep the Youth’s hardcores happy, but as Gordon sings »I can’t feel the thrill, I don’t have the will« the casual listener may think the same and press eject. If they haven’t already got a place in your heart this nurse’s pill may be too hard to swallow. Though look out a the key change four minutes into ›Dude Ranch Nurse‹, after that moment of shocking pop sensibility anything could be still possible.
Simon Cowell, Ash



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