BEWERTEN
 

Graham Coxon

»Happiness In Magazines«

[Transcopic / Emi / VÖ: 21.05.2004 ]

Text: Boris Fust, Boris Fust

Graham Coxon hat schon wieder mit dem Trinken aufgehört. Vor einem jeden Soloalbum – Blur is aus, kriegen wir auch nicht wieder rein – hängt er, so will es die regelmäßig verbreitete Legende, in irgendeinem Café in Camden ab und übt sich in Songwritertum wie Enthaltsamkeit. Die Interviews zur Platte gibt er dann meistens wieder in einem Pub. Es sei ihm herzlich gewünscht, dass das diesmal nicht passiert. Denn was wir an Graham Coxon haben, zeigt ›Happiness in Magazines‹ recht eindringlich. Wichtigste Neuerung: Weil Stephen Street, den Coxon bereits als Produzenten der ersten fünf Blur-Platten schätzen gelernt hat, diesmal hinter der Scheibe des Aufnahmeraums abhing, traute sich Coxon erstmals zu singen – ganz ohne Verzerrer.

Das mag nicht immer ganz sauber gelungen sein (›No Good Time‹ zittert gar wie ein feinschlägiger Tremor), doch gewinnen die Songs so deutlich an Persönlichkeit. Das ist auch deshalb dringend erforderlich, weil Coxon sich diesmal bemüht hat, ein ordentliches (Brit-) Popalbum einzuspielen. Vorbei ist’s mit dem Charme des Selbstgebastelten, der noch die Vorgängerwerke von ›The Sky Is Too High‹ bis ›The Kiss Of Morning‹ kennzeichnete, nix is mit der Verschrobenheit des sagenhaften ›The Golden D‹. Die Lyrics wirken oftmals reichlich deliberate, die Harmonien so, als hätte sie Ray Davies fein säuberlich an einer Perlenschnur aufgezogen. Doch tatsächlich haben die Songs diese sorgfältige, saubere Produktion verdient. Und es ist einigermaßen beruhigend, dass der Gitarrist einer versprengten Supergroup der jüngsten Vergangenheit nicht dem Wahnsinn oder doch nur dem Alk für immerdar anheim gefallen ist, sondern weiterhin großartige Musik macht. Bitte damit nicht aufhören. Und darum drei Fragen an Graham Coxon:
Hast du zusammen mit anderen Künstlern für dein neues Album gearbeitet?
Nicht wirklich. Ich habe eigentlich alles selbst eingespielt, abgesehen vom Klavier. Das hat mein Freund Louie gemacht. Er ist echt cool, kommt aus der ersten Punkgeneration. Er hat sich aber nie entsprechend angezogen. Er trägt gerne einen Tropenhut, den er ziemlich weit nach hinten schiebt. Er sieht eigentlich aus wie ein Blues-Musiker. Wir haben uns in einem Pub kennen gelernt, uns unterhalten und ziemlich viel getrunken. Ich arbeite gerne mit ihm.
Ist es nicht einsam, nach all dem Brimborium um Blur? Nur du und Louie?
Ja, das ist es auch. Aber wenn man Songs schreibt, ist man doch immer alleine. Bei vielen kreativen Prozessen ist man allein. Davon abgesehen finde ich es schlimm, im Studio zu sein und nichts zu tun zu haben. Davon habe ich nach dem Bandleben genug. Im Studio sitzen und warten, bis ich dran bin. Ich hasse Studios. Wenn ich jetzt alleine dort bin, habe ich wenigstens die ganze Zeit was zu tun.
Du kannst also alle Instrumente selbst spielen?
Ich konnte schon Schlagzeug spielen, bevor ich Gitarre gespielt habe. Ach, und auch Saxophon. Und Bass ist dann echt einfach.



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