BEWERTEN
 

George Michael

»Patience«

[Aegean / Sony / VÖ: 15.03.2004 ]

Text: Jan Kedves, Jan Kedves
[17 Kommentare]

Über mangelndes Vertrauen in seine Fähigkeiten als Großmeister des Zucker-Pops kann George Michael sich nicht beklagen. Besser sollte man sagen: nicht mehr. In den acht Jahren, die seit ›Older‹ – der letzten LP, auf der er selbst komponierte Songs präsentierte – ins Land gestrichen sind, wurde der Schmusepop-Veteran nämlich von einer bösen Schreibblockade heimgesucht. Ausgelöst durch den Tod seiner Mutter und – wer will es noch mal hören? – diese Sache mit dem etwas verklemmten Bullen auf der Klappe. Verständlich, dass Michaels Zucker-Pop-Quell da erst mal versiegte – was die Best-Of-Sammlung ›Ladies & Gentlemen‹ (1998) und das Cover-Album ›Songs From The Last Century‹ (1999) mehr schlecht als recht zu kaschieren versuchten.

Das Ende der Durststrecke, sein Comeback als Songwriter, nennt Michael nun ganz nahe liegend ›Patience‹, und in einem Atemzug bedankt er sich dann auch gleich bei seinen Fans, der (Booklet-Zitat) »most patient audience in the history of pop music«. Wow, mit so einem pompösen Satz hätte er nicht nur läppische acht, sondern auch achtzig Jahre Warterei gutmachen können! So lange das mit ›Patience‹ gedauert hat, so wenig überrascht die Musik. Es ist George Michaels gewohnt elegante Mixtur aus R’n’B, Jazz, Folk, Disco-Glitzer, Ibiza-Trance und perwollweichem Crooning, mit der er sich mal als männliche Sade, mal als gelenkigerer John Travolta inszeniert. Auffällig die Fülle der verwendeten Samples: Bei ›Flawless (Go To The City)‹ bedient Michael sich bei dem Clubhit ›Flawless‹ von The Ones (ursprünglich veröffentlicht auf dem New Yorker Electroclash-Label A Touch Of Class), für ›Freeek! ‘04‹ leiht er sich Aaliyahs ›Try Again‹ und Q-Tips ›Breath & Stop‹, bei ›Shoot The Dog‹ begegnet man dem Refrain von Human Leagues ›Love Action‹. In den Texten gibt’s dazu Politisches und Privates: Während George Bush bei ›Shoot The Dog‹ gar nicht gut wegkommt, beweist ›American Angel‹, dass Texaner auch ganz lieb sein können – eine Ode an Michaels Lover, den man im Booklet dann auch gleich mal begutachten darf. Hach. ›Patience‹ ist somit – auch wenn es dumm klingt – genau das Album, das so George Michael ist, wie ein George-Michael-Album nach acht Jahren überhaupt nur George Michael sein kann. Und das dann gleich stolze 70 Minuten lang. Man darf ruhig applaudieren.



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  • schunkel 22.04.2004 | 12:21:19

    "Zucker-Pop"
    "Schmusepop-Veteran"
    "Zucker-Pop-Quell"
    "Ibiza-Trance"
    "perwollweichem Crooning"

    aua aua aua

  • Call Me Appetite 22.04.2004 | 12:30:23
    Hobbyprofi
    kein autoren-link? schamgefühl?

  • schunkel 22.04.2004 | 12:34:13

    wenn du über die krtiken-seite zur rezi gehst, findest du alles. ein unbehobener bug, oder so...

  • Call Me Appetite 22.04.2004 | 12:40:42
    Hobbyprofi
    aha. danke.

  • Kopfgeburt 22.04.2004 | 12:48:06

    Das ist Yuppie-Mucke für Afterwork-Parties! Ganz grauslig!

  • User: enzograppa
  • enzograppa 22.04.2004 | 12:52:50

    das ist große songwriting-kunst, ihr verdammten arschgeigen!

  • Call Me Appetite 22.04.2004 | 12:54:58
    Hobbyprofi
    auf dem album ist eigentlich beides. einfach die zwei ollen kamellen darauf überhören, dann bleibt ein ganz schön gutes album übrig. wollte ich auch erst nicht so richtig glauben, aber man kann da eigentlich nicht dran rütteln.

  • schunkel 22.04.2004 | 12:56:46

    Ja, bis auf Freeek ist das grossartig. Shoot the dog passt auch nicht gut, tut aber nicht so weh wie Freeek.

  • User: victorward
  • victorward 22.04.2004 | 13:16:18

    Das Album ist zu lang - hätte der gute Herr Michael doch nur die schwächeren Songs weg gelassen, wäre es ein spitzen Album geworden. Aber ich mag es auch so noch

  • User: Trinelie
  • Trinelie 22.04.2004 | 15:09:01

    hat er arschgeigen gesagt?
    er hat arschgeigen gesagt!
    toll, ich hatte das wort komplett vergessen

  • User: kaiser_t  2_0
  • kaiser_t 2_0 22.04.2004 | 15:30:41
    kann
    Ich stimme victorward zu. Freek raus (und den einen oder anderen Song auch)

    Schon wäre Herrn Michael ein wirklich gutes Album gelungen. Leider isses im Vergleich zu Older immer noch schwächer. :(

  • Raspberryman 22.04.2004 | 16:16:54

    Ein ganz wunderbares Album ist das! Bei my mother had a brother mußte ich weinen!

  • Flrn 22.04.2004 | 16:33:38

    Ja, ganz tolle Platte! Die "Older" übertrifft sie zwar nicht, aber das ist auch kaum möglich.

  • User: lamb
  • lamb 25.04.2004 | 13:47:21
    schreibt
    ist mir eigentlich ziemlich egal, ob 'flawless' geklaut ist, denn der song ist jawohl nur noch fantastisch und 'john and elvis are dead' eins der vielen george michael-highlights seiner karriere. tolle platte.

  • schunkel 25.04.2004 | 13:51:26

    George Michael könnte gerne öfter mal einen House-track besingen wie "Flawless". The Ones freuen sich sicher nicht schlecht über die Ehre.

  • Tomalak 25.04.2004 | 14:01:14
    runner vonn de Gass
    "Es ist George Michaels gewohnt elegante Mixtur aus R’n’B, Jazz, Folk, Disco-Glitzer, Ibiza-Trance und perwollweichem Crooning"

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