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Doctor Rockit

»The Unnecessary History Of Doctor Rockit«

[Accidental / Rough Trade / VÖ: 13.04.2004 ]

Text: Pascal Blum, Pascal Blum

There he goes. Matthew Herbert killt seinen unterhaltsamsten Cameo Doctor Rockit. Ein guter Doktor weniger in der Stadt. Eine Jazzlegende ist nicht mehr. Sein Vermächtnis ist diese Geschichte hier, eine Retrospektive von zehn Jahren Eingriff ins Musikbusiness oder besser seine Greatest Hits. Die Story erzählt von den Anfängen, als der Doktor Geräusche aus der Alltagsumgebung einfing und zu organischen Click-Miniaturen verwab. Vom großen Matthew-Herbert-Thema Food erzählt sie natürlich auch, im Stile eines Audio-Diary ersetzt Doctor Rockit den dinierenden Gästen im ›Café De Flore‹ und im New Yorker ›Veselka’s Diner‹ die übliche Fast-Food-Muzak durch richtigen Jazz und lässt sie erfreut mit dem Besteck klappern.

Und auch der zweiten Herbert-Konstante Politik schenkt Doctor Rockit den zuckrigen Gospel, den sie verdient (in ›Hymnformation‹). Diese Sammel-Geschichte ist dabei natürlich alles andere als unnötig; nicht nur, weil einige Tracks bisher allein auf schwer zu bekommenden Twelve-Inches oder Soundtracks zu finden waren, sondern auch, weil man weit mehr erhält als eine albumfüllende Auswahl. Die Verwertung von zischenden Samples aus alltäglichen Umgebungen oder Gegenständen (›Cameras And Rocks‹, ›Granny Delicious‹) ist der geheime Prolog zum Click-House von Herbert auf ›Bodily Functions‹. Und in der bisher unerzählten Geschichte, die mit Acid Jazz anfing, als Nu Jazz auf die Nerven ging und irgendwann als Phusion in den WG-Küchen landete, wirken die Rockit-Jazz-Elektronikas ›Veselka’s Diner‹ und ›Café De Flore‹ retrospektiv wie erklärende Untertitel und seltsame Ausnahmeerscheinungen zum ansonsten zweifelhaften Versuch, Jazz mit Elektronik zu kreuzen. Vor allem beim zwar zu Tode gespielten, aber immer noch unheimlich dichten ›Café De Flore‹ kommen Jazz-Thema und elektronische Rhythmik derart eng zueinander, dass selbst die instrumentale Version der Matthew Herbert Big Band (auf ›The Process, The Parts, The Many And The Few‹) wie ein missglückter Versuch erscheint, den Zauber dieses Herbert-Standards mit richtigen Musikern nochmals einzufangen. Farewell, Doctor, wir haben ja noch den zornigen Radioboy und das Original, Mr. Herbert, der übrigens gerade dabei ist, ein Album aufzunehmen, das sich rund ums Essen dreht. Wer will, kann darin eine logische Weiterführung sehen, oder eher: history re-eating.



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