Gary Jules
»Trading Snakeoil For Wolftickets«
[Sanctuary / Rough Trade / VÖ: 14.07.2006 ]
Text:
Eric Leimann,
Eric Leimann
&
Sondre Lerche
Two Way Monologue
&
Nicolai Dunger
Here’s My Song, You Can Have It ...
Beide Virgin / Emi
Drei Songwriter auf der Suche nach dem Kalifornien der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre. Nach dieser seltsamen Mischung aus Streichelsonne und Psychedelia. Nach Musik, die einen mit sanfter Schönheit einlullt und doch mit jedem Sonnenuntergang am pazifischen Strand an den Abschied der Liebe, vom Paradies, ja, vom Leben gemahnt. Große Worte, aber larger than live sind ja auch Figuren und Mythen jener Zeit. Brian Wilson hört die Stimmen des Ortes und schreibt ›Pet Sounds‹ (1966). Der Regisseur Mike Nichols schafft mit dem Film ›The Graduate‹ (›Die Reifeprüfung‹, 1967) die perfekten Bilder für den kalifornischen Aufbruch jener Tage, bald sollte er die ganze Welt beeinflussen.
Ebenso sensationell ist das zweite Album des 21-jährigen Norwegers Sondre Lerche. Plattenvertrag mit sechzehn. Siebzehn war er dann, als er sein Debütalbum ›Faces Down‹ einspielte, und heute hat er bereits mehrere ausverkaufte US-Tourneen auf dem schmalen Buckel. Wer Musik an der Schnittstelle von Geschmacksgrößen wie Rufus Wainwright (ohne Operette), Prefab Sprout (zu ›Swoon‹-Zeiten) und den Thrills (ihrerseits ja auch ein California-Retromodell) sucht, wird von diesem Wiz-Kid begeistert sein. In Stockholm, etwa 400 Kilometer südöstlich von Lerches Hardfact-Heimat Bergen, lebt der Schwede Nicolai Dunger – wenn er nicht gerade in Kentucky an Neo-Folk-Meisterwerken mit Will Oldham schraubt (das im letzten Jahr hier schmählich übersehene ›Tranquil Isolation‹) oder wie nun mit Kumpel Jonathan Donahue und dessen Band Mercury Rev an einer weiteren Wiederbelebung der Westcoast-Legende Tim Buckley werkelt. Sein neues (neuntes!) Album ist nicht ganz so grandios geraten wie der Vorgänger ›Tranquil Isolation‹, ist aber immer noch ziemlich gut. Mit einem solch überpassionierten Gesangsstil wirkliche Rührung und eben keinen Kitsch (vergleiche: Muse!) zu erzeugen, das ist eine echte Glanzleistung in Sachen künstlerischer Ausdruck. Jules, Lerche und Dunger. Drei für Kalifornien, drei für eine Welt mit besseren Songs. Daumen drücken, damit eine ganze Bewegung draus wird ...
Auf jeden Fall kommen aber hier noch: drei Fragen an Gary Jules.
Dein Album klingt im positiven Sinn unglaublich altmodisch. Wo liegen deine musikalischen Wurzeln?
In meinem Elternhaus bin ich genau mit der Musik aufgewachsen, die man ohnehin erahnt, wenn man meine Songs hört: Simon & Garfunkel, James Taylor, Jim Croce, Joni Mitchell, Neil Young, Crosby Stills & Nash. Cat Stevens aber habe ich selbst entdeckt. Zuerst hatte ich das ›Greatest Hits‹-Album, aber dann fand ich ›Tea For The Tillerman‹. Das war es, wonach ich immer gesucht hatte.
Gibt es in L.A. heute eine interessante Songwriter-Szene?
Eigentlich ist es ziemlich lächerlich, denn es gab lange Zeit nur ein Zentrum für diese Musik, das Largo auf der Fairfax Avenue in West-Hollywood. Als ich 1996 nach L.A. kam, existierte da diese Songwriter-Szene mit Elliott Smith, Rufus Wainwright, Aimee Mann, Michael Penn und den Typen von Crowded House, Neil und Tim Finn.
Hattest du schon vor deiner Coverversion eine besondere Beziehung zum Tears-For-Fears-Klassiker ›Mad World‹? Immerhin war deine Version so einfühlsam, dass sie die Prestige-trächtige No.1-Position in den UK-Singlecharts über Weihnachten innehatte ...
In der zweiten Strophe heißt es: »Children waiting for the day they feel good / Happy Birthday, Happy Birthday.« Ich war 15, als dieses Stück rauskam. Wir saugten diese Worte auf und dachten nur: Ja, genauso ist es!
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