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PAPA M

»Hole Of Burning Alms«

[Domino / Rough Trade / VÖ: 16.02.2004 ]

Text: Martin Büsser, Martin Büsser

Bislang galt Jim O’Rourke als das große Rätsel musikalischer Unberechenbarkeit, doch Ähnliches ließe sich auch über Dave Pajo aka. Papa M sagen. Wer Wert auf ein klar umrissenes Künstler-Profil legt, sollte von›Hole Of Burning Alms‹ die Finger lassen. Vor Jahren hatte Pajo bei Slint Gitarre gespielt, Abteilung Abstrakt-Rock oder auch Post-Core, in Sachen Anspielungsreichtum seinerzeit wohl nur mit Bastro vergleichbar. Zwischenzeitlich hatte es ihn in die Arme von Tortoise getrieben, doch als habe es gegolten, sich der Einteilung in Post-Rock zu widersetzen, spielte Pajo kurz darauf unter dem Namen Papa M mit›Whatever Mortal‹ eine wunderschöne, fragile Countryfolk-Platte mit allen nur denkbaren LoFi-Trübungen im Stil der Palace Brothers ein.

Wer Papa M zu dieser Phase kennen und schätzen gelernt hat, wird sich über ›Hole Of Burning Alms‹ wundern – LoFi mit gepresst näselndem Gesang gibt es da auf lediglich zwei Nummern. Die meisten Stücke nämlich sind instrumental und in Bandbesetzung eingespielt, ganz im Stil des Mittneunziger-Chicago-Crossovers, eine Balance aus Jazz, (Anti-)Rock und Easy-Listening-Melodien, bei der Einprägsamkeit und Distanz einander die Waage halten. ›Hole Of Burning Alms“ klingt heterogen, und dies nicht nur, weil die CD neben neuen Stücken auch alte Papa-M-Nummern enthält, die bislang nur auf in Europa schwer erhältlichen Singles veröffentlicht wurden. Heterogenität ist hier auch durchweg der Idee verschuldet, den Eindruck des Authentischen, der auf ›Whatever Mortal‹ noch durchgehalten wurde, zu brechen und mit dem Mythos vom reinen Stil aufzuräumen. Selbst die melancholischen LoFi-Nummern wirken vorm Hintergrund dieser Gesamtschau als bloß eine unter zahlreichen Identitäts-Konzepten, mit denen Pajo spielt, um durchaus aufklärerisch zu demonstrieren, dass ein und derselbe Künstler mal warm und kuschelig nahe, mal berechnend kühl wirken kann – ohne dass diese Zuschreibungen am Ende irgend etwas über den Urheber der jeweiligen Musik aussagen. Vor allem die früheren, entfernt an Tortoise erinnernden Stücke auf ›Hole Of Burning Alms‹ machen nachträglich deutlich, wie wenig neu das, was da als Postrock gefeiert wurde, eigentlich gewesen ist, wie nahtlos damit an die instrumentale, jazzige Fraktion von SST, an Band wie Pell Mell, Lawndale und Always August angeknüpft wurde, die sich ihrerseits in den Achtzigern schon weit vom hemdsärmligen Rock der Rollins-Ginn-Watt-Fraktion entfernt hatten. Dieser Geist durchweht die meisten hier vertretenen Papa-M-Stücke und liefert damit neben schöner, geistreicher Musik auch noch ein Stück Erinnerungsarbeit an die Nachgeborenen, die SST nur noch als Home of Black Flag und Hüsker Dü kennen.



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