BEWERTEN
 

The Black Heart Procession & Solbakken

»In The Fishtank 11«

[De Konkurrent / Efa / VÖ: 05.04.2004 ]

Text: Felix Scharlau, Felix Scharlau

Kontinuität in der Sache, einst ein starker Antriebsmotor für die Kulturindustrie, gilt heute – das wird ja zur Zeit von allen Dächern bis zur Heiserkeit gebrüllt – zunehmend als nicht mehr aufrecht zu erhaltender Luxus im harten Tonträgergeschäft. Das Konzept der nun mittlerweile schon elfteiligen ›Fishtank‹-Reihe wäre aber wohl nicht nur wegen seiner Konstanz in den letzten Jahren für viele andere Labels ein zu heißes Vabanquespiel gewesen, das doch bitte andere Idioten verlieren sollen. Denn das Grundprinzip der Reihe wirkt auf den ersten Blick eigentlich auch zu geplant, um funktionieren zu können: Zwei sinnverwandte Bands – im weitesten Sinne Indie-Acts – werden vornehmlich während einer Europa-Tour für eine EP-Länge in ein niederländisches Studio geladen, um gemeinsam Songs aufzunehmen, das Ergebnis wird dann via Konkurrent veröffentlicht.

Wie bei Nummer #7 (Low & Dirty Three) geschehen, begegnen sich die Akteure dabei mitunter nicht einmal im Studio, was die Befürchtung zulässt, man würde hier aufs Maximalste uninspiriert während zweier Off-Days B-Tunes und -Texte aufs Band prügeln. Aber genau das passiert eben nicht. Und gerade in jenem Extrem-Beispiel funktionierte die Kollaboration ganz prächtig. Diesmal nun treten auf der einen Seite The Black Heart Procession in den Ring, ein Glied der glitzernden Indie-Kette, die um San Diego liegt (siehe auch Pinback, Three Mile Pilot etc.), der einzigen mir bekannten Stadt übrigens, in der direkt neben dem Bahnhof ein Golfplatz liegt. Auf der anderen Seite die mir nicht bekannten dänischen »prog rockers« (Info) mit Namen Solbakken. Auch beim neuen Teil der Serie werden die gemeinsamen Ideale trotz der neu gewonnenen Inspirationsquellen und Freiheiten nicht zugunsten übergeschnappter Improvisation verraten. Sie erreichen als klar strukturierte Song-Amalgame neue Stufen pathetischer Vermittlung. Und müssen somit als voll zurechnungs- und funktionsfähige Releases der einzelnen Künstler angesehen werden. In sechs Songs wird so die Gleichung Black Heart Procession + Solbakken = ziemlich Nick Cave’isch erlebbar, und auch wenn das so notiert ekelhaft rational aussieht – es ist das genaue Gegenteil. In all seiner herrlich paradoxen Mischung aus selbstbewusster Größe und emotionaler Zerbrechlichkeit. Mehr davon, z. B. in Teil #12.



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