BEWERTEN
 

Trans Am

»Liberation«

[Thrill Jockey / Efa / VÖ: 20.02.2004 ]

Text: Sven Opitz, Sven Opitz

Nur, um es noch mal zusammenzufassen: Trans Am haben seit 1995 Rock von seinem Nach-Zustand her aufgerollt. Von Post-Rock zu Hard-Rock, von Kraut-Rock zu Elektro-Rock. Dabei agieren sie seit jeher so schnörkellos, präzise und direkt, dass sie noch heute Plastikstreicher, gedoppelte Gitarrensoli und Computer-generierte Stimmen einsetzen können, ohne ein schales Erinnerungsbild an die in den 90er-Jahren so beliebten referenziellen Spielereien heraufzubeschwören. Zwischen Kraftwerk und Shellac changierend, bleiben Trans Am vielmehr die ewigen amerikanischen Jungs, die grinsend auf das nächste Hysterielevel aufspringen.

Und es spricht wirklich überhaupt nichts dagegen, sie bei ihrem Unterfangen auch weiterhin zu begleiten. Allerdings war es im vergangenen Jahr nicht gerade leicht, ein amerikanischer Junge zu sein. Trans Am haben sich deshalb dafür entschieden, im Medium ihrer weitestgehend instrumental gehaltenen Musik politisch Stellung zu beziehen, und dafür die Techniken der Verzerrung, der Überdrehung und der Collage ausgewählt. Gleich zu Beginn verändert sich das Rotieren von Hubschrauberblättern sukzessive in einen Synthie-Sound, während die Reden George W. Bushs zur Wahrheit hin manipuliert werden: »The commitment to weapons of mass-destructions is America’s tradition.« Kurze Zeit später rechtfertigt eine andere Stimme den Nuklearschlag mit dem lakonischen Verweis auf die Existenz von Washington D.C. Aber wo hört hier der Weirdo-Spaß auf, wo setzt die wahre Monstrosität ein? Welche Grenze scheidet das Reale von seinem Fake? Wo verwandelt sich der grinsende Junge in einen wirklich schrägen Typen? Trans Ams Methode besteht gerade darin, dass sie sich einer definitiven Antwort auf derartige Fragen verweigern. Dem Horror einer alltäglichen Politik, die ihre repressiven Maßnahmen eindeutig prozessiert, setzen sie die Uneindeutigkeit einer schillernd durchgespielten ›Liberation‹ entgegen, wie sie nur auf dem Feld der Popkultur imaginiert werden kann. Sie machen damit das Einzige, was ihren Mitteln entspricht: nämlich ihren mit allen Gimmicks versehenen und zugleich in aller Strenge seinen Weg bahnenden Rock als Projektionsfeld anzubieten.



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