BEWERTEN
 

Residents

»Demons Dance Alone«

[EuroRalph / Indigo / VÖ: 23.09.2002 ]

Text: KLaus Hübner, KLaus Hübner

Dämone tanzen alleine, behaupten The Residents. Aus dieser Theorie heraus bewegt sich eine gruselige Figur mit Teufelsfratze über die Bühne, versucht sich als Trompeter, irritiert die anderen mit grellem Licht. Mal ist er ›Mr. Wonderful‹, mal ›The Weatherman‹, der Ivanhoe beobachtet, wenn ein Tornado über dessen Haus bläst. Verschwommene Visual-Effekte geben insgesamt ein bedrückendes Bild ab. Seit dreißig Jahren arbeitet das Quartett oder Quintett oder Sextett am Puls künstlerischer Evolutionen. Aber derart pessimistisch, endzeitlich und hoffnungslos kamen sein Sound und seine Geschichten noch nie herüber. Irgendwie sind die Figuren alle missgestaltet und produzieren ein Grauen, eine unfreundliche Atmosphäre, die alles aufsaugt, was in der Vergangenheit lebenswert erschien.

Für ihre Bühnenshow benutzten die Unbekannten alle Ausdrucksformen, die zur Standardausrüstung zählen: Musik, Theatralik, Tanz, Gesang bis Anti-Gesang, Licht. Zusätzlich macht eine neuartige Kameratechnik aus einem reinen Dokumentarvideo eine sensationelle Visualisierung. Die Kamera ist überall. Hinter, vor, neben dem Sänger, hautnah bei Gitarrist und Percussionist, hinter der fischnetzartigen Bühnenverkleidung. Es kommt fast zur Interaktion zwischen Kameramann und den Musikern, deren Fußstapfen er benutzte und dadurch für den DVD-Seher den Bewegungen auf der Bühne nachging. Nur in Infrarot-Licht getaucht, blieb die Bühne während der gesamten Session in anonyme Dunkelheit gehüllt. Und marktstrategisch beweisen The Residents hier erneut, dass sie mit allen Wassern gewaschen sind. Der weltweit treuen Fangemeinde offerierten die Unbekannten zunächst einmal den Director’s Cut der Freakshow ›Demons Dance Alone‹ in einer kunstvollen Box. Etwas abgespeckt, aber nicht weniger schrill kommt die Volksausgabe, deren Filmsequenzen während der US-Tour 2002 und die Audiospuren am 15. November 2002 im Warsaw Ballroom Brooklyn, N.Y. aufgenommen wurden. Rundumversorgung durch normale und Luxus-CD garantiert. Fazit: Vorbei scheint die Phase zu sein, in der The Residents nicht nur am eigenen Mythos bastelten, sondern auch Popkultur jeder Art und Weise, ob Beatlemania oder Eskimoleben, ob ›American Songbook‹ oder Stories vom Pfefferkuchenmann, reflektierten. Das bleibt natürlich. »A fool cannot hold his tongue«, zitieren sie Plutarch am Ende der DVD. Möglicherweise ist das eine Praxis, aus dem Tal der Tränen wieder herauszukommen.



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