BEWERTEN
 

Jeff Mills

»Exhibitionist«

[React / Intergroove / VÖ: 16.02.2007 ]

Text: arno raffeiner, arno raffeiner

Acht lange Jahre hat es gedauert. 1996 hat Techno-Ikone Jeff Mills mit dem legendären ›Live At The Liquid Room‹-Album seinen letzten DJ-Mix veröffentlicht, eine roughe Aufnahme live aus dem Club, inklusive kreischender Crowd und Schweißgeruch. Jetzt steht wieder ein neues Mix-Album an, und natürlich macht Mills, seiner Rolle als Denker und Innovator entsprechend, einen Schritt weiter und gelangt zur DVD. Grundlegend besteht er darauf, all die kleinen Abweichungen, die beim Auflegen so passieren, nicht etwa mit technischer Hilfe nachträglich auszubügeln, sondern quasi zur Schau zu stellen, hier nun dokumentiert er in logischer Fortführung sein Mixing auch visuell, indem er sich live dabei filmen lässt.

Alle können ihm auf die flinken Finger gucken und seine Meisterschaft bewundern – oder auch versuchen, ihr nachzueifern. Seinen Anspruch an die Authentizität eines DJ-Mixes unterstreicht Mills damit nochmals ausdrücklich. Der Echtheit des Mixes stellt er zugleich aber auch die Vision des DJs als eines artifiziellen Artists gegenüber, der durch Abbilder seiner selbst jederzeit überall verfügbar gemacht wird und so physische Präsenz quasi überwinden kann. Das Spiel mit Projektionen im Club ist ausdrücklich erwünscht, und Mills hat auch schon gegen sein eigenes Abbild gebattlet. Musikalisch geht es beim ›Exhibitionist‹-Mix, der auch auf CD erhältlich ist, natürlich um soliden Techno – keine Frage. Doch Mills hält sein Set offen und bringt Jazz-Vibes ebenso ein wie Latin-Percussions und den Glamour von House. Die DVD bietet zusätzlich noch einiges an Mehrwert, nämlich drei weitere in Bild und Ton dokumentierte Sets, in denen Mills jeweils eigene Stücke von seinen drei Labels Axis, Purpose Maker und Tomorrow präsentiert, sowie ausführliche Interviews mit Mills und Random Noise Generation. Da fehlen nur noch: drei Fragen an den Mix-Künstler.

Frage: Du hast Fritz Langs ›Metropolis‹ neu vertont. Bei welchem anderen Film könntest du dir vorstellen, Musik dafür zu machen?
Antwort: Zu ›Blade Runner‹ würde ich sehr gerne Musik machen. Nicht unbedingt wegen der Handlung oder der Charaktere, sondern vor allem wegen der Atmosphäre. Ich würde am liebsten einfach all die Landschafts- und Architekturaufnahmen nehmen, sie aneinander reihen und dazu was komponieren. Das wäre fantastisch. ›Apocalypse Now‹ wäre auch eine Herausforderung, weil es so extrem ist, in verschiedenster Hinsicht. Eine neue Vertonung wäre da definitiv interessant. Und bei älteren Hitchcock-Thrillern fände ich es auch reizvoll, mit elektronischer Musik einen neuen Hintergrund für die Handlung zu schaffen.

Frage: Es ist allgemein bekannt, dass gute DJs meist auch tolle Köche sind. Was würdest du zu deinem ›Exhibitionist‹-Mix servieren?
Antwort: Oh Gott, ich bin ein schrecklicher Koch, obwohl ich sogar mal als Koch gearbeitet habe. Es war so ein Love-Hate-Job: Du liebst es, den Job zu hassen. Trotzdem, das Gericht zu diesem Projekt sollte etwas sein, das erst sehr weit in der Zukunft untersucht und gebraucht wird, deshalb würde ich Fruitcake empfehlen, hahaha. Du isst es nicht jetzt, du isst es vielleicht irgendwann später.

Frage: Und dein liebster Cocktail?
Antwort: Momosa. Champagner mir Orangensaft.



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