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Lhasa

»The Living Road«

[Wea]

Text: Daniel Decker, Daniel Decker
[10 Kommentare]

Trunken-versunken zwischen Melancholie und einer unglaublichen Stimme. Sechs Jahre musste man auf den Nachfolger von ›La LLorona‹ warten. Die Platte, die ich für viel Geld als Import erstand, zählt zu einer meiner liebsten. Und das, obwohl ich kein Wort verstehe. Spanisch sang Lhasa De Sela, und trotzdem kann die Musik Emotionen hervorrufen wie sonst keine andere. Jauchzend singt sie, und man meint zu wissen, worum es geht. Um Sehnsucht, um Liebe und auch um Traurigkeit. Träumerei löste die Platte damals aus. Wie man mit einem Mädchen im Blumenkleid weintrunken im warmen Sonnenuntergang tanzt. Vielleicht klingt das kitschig, aber es bleibt mein Traum.

Lhasa einzuordnen fällt schwer. Bei einer Bekannten stand sie zwischen Massive Attack und Shakira. Und bei mir würde sie vielleicht neben Calexico stehen? Nur lässt Lhasa den Pop weg, ohne unzugänglich zu sein. Und trotz aller Folklore passt sie auch nicht wirklich in Ethno- oder Weltmusikschubladen. In den sechs Jahren war es ziemlich still. Man hörte, Lhasa de Sela lebe nun in Frankreich, wo sie um einiges erfolgreicher ist als hier. Dort habe sie mit ihren Schwestern einen Zirkus aufgemacht. Solche Geschichten wagt sich nicht mal die Musikpresse auszudenken. Im letzten Jahr dann ein Lebenszeichen: ein Duett auf der letzten Tindersticks-Platte ›Waiting For The Moon‹. Und nun endlich das zweite Album, erstmals singt sie auch Englisch und Französisch. Und man muss sagen, dass es anfangs enttäuschend ist. Ein wenig entmystifizierend. Aber beim dritten Hören habe ich gemerkt, dass es dennoch gute Geschichten sind. Wie die von dem Mann, den sie liebt, welcher sich jedoch vor ihr fürchtet. Und so kommt auch die Musik in einer Theatralik daher, die man nicht als negativ, sondern als narrativ bezeichnen kann. Mit einem Pathos, das sich heutzutage viel zu wenige trauen. Und auch musikalisch hat sich einiges verändert, so sind auf dem zweiten Album elektronische Klänge zu hören. Die Musik ist transparenter, die trunkene Schwere wich einer Leichtigkeit, ohne die Melancholie zu vergessen. So vermengen sich Beats mit Marimba, Oboe, Trompete, Gitarre, Fender Rhodes und Klavier. Besonders beeindruckend ist ›Anywhere On This Road‹, in dem sich beinahe schon Neubauten’eske Perkussionsspuren immer mehr auftürmen, dass man meinen könnte, irgendwann breche das Gebilde kläglich zusammen. Aber es bleibt stehen und beeindruckt. Und ein Stück wie ›Small Song‹ ist dann das genaue Gegenteil. Spartanisch – zwischen Blues und Arrangements à la Waits – singt Lhasa: »My song is so small / I could get down and crawl / searching form / wall to wall / and never see / anything at all.« Überhaupt ist die Stimme de Selas im Mittelpunkt. Sagte ein Freund doch mal, dass er sich von Chris Martin selbst das Telefonbuch vorlesen lassen würde, so sind es hier alle Telefonbücher der Welt. Mindestens. Und man versinkt zwischen all den Eindrücken. Man versinkt gerne.



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  • User: captain kidd
  • captain kidd 04.02.2004 | 18:49:46

    super kritik. das warten aufs album treibt mich jetzt endgültig in den wahnsinn. danke.

  • User: captain kidd
  • captain kidd 13.02.2004 | 17:18:27

    super album. danke ndr info.

  • User: lamb
  • lamb 13.02.2004 | 17:41:52
    schreibt
    ja, ein wunderbares album.
    aber ist das erste noch viel viel besser???

  • User: captain kidd
  • captain kidd 13.02.2004 | 17:43:59

    keine ahnung. ich habe es gerade erst bestellt. und hör dir die norah noch mal an. ist ne super platte...

  • User: verdunkelung
  • verdunkelung 13.02.2004 | 22:12:01

    in der letzten jazzthetik ist ein recht ausführliches interview von lhasa drin, das von wolf kampmann geführt wurde. es ist nicht nicht unbedingt kampmanns bestes, aber dennoch ganz interessant zu lesen.

    @captain: deine missionierungsversuche bei plattentests.de fallen auf nicht sehr fruchtbaren boden, nee?

  • User: grrr
  • grrr 14.02.2004 | 15:06:12
    Les Ÿper Sound / Fanklub / Sil
    oh, falls es das ist, was
    ich neulich in einer sendung
    namens "weltbeat" gehört
    habe, dann ist das wirklich
    ganz fantastisch. hatte
    was von björk...

  • User: Daniel Decker
  • Daniel Decker 15.02.2004 | 15:29:10

    @lamb, viel besser nicht. anders besser, die ganzen elektronischen spielereien, die ja eher im hintergrund stehen, fehlen. schwerer auch, also im sinne von schwermut. aber sehr schön. ich kanns empfehlen, vielleicht gibt es die ja mittlerweile etwas günstiger, wenn so viel über die zweite platte berichtet wird. aber für mich hat sich damals auch die relativ hohe summe gelohnt :-)

  • User: lamb
  • lamb 15.02.2004 | 15:32:04
    schreibt
    @daniel: merci. werde danach mal ausschau halten :-)
    @captain: okay, ich werde ihr noch eine chance geben.

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