BEWERTEN
 

Ex und Hop

»mit Uwe W. Bushman«

Text: Uwe Buschmann, Uwe Buschmann

Bravehearts ›Bravehearted‹ (Sony) – Die Bravehearts kommen aus Queenbridge, NYC und haben die meisten Kinderstunden neben einer brennenden Mülltonne verbracht. Spätestens, als Nachbarschaftskumpel wie Mobb Deep oder ihr spezieller Homeboy Nas es zu einschlägigen HipHop-Ehren brachten, war es auch für Wiz und Jungle klar, wohin die nächste Umschulungsmaßnahme gehen sollte. Und hier also: die beiden Bravehearts und ihr Debüt-Album. Produziert von Swizz Beats, Mega Hertz, Les, Lil Jon und Midi Mafia, liefern sie jetzt den klassischen HipHop-Soundtrack ab, den man sich auch 2004 immer noch gut zu aktuellen Kinderstunden neben brennenden Ami-Mülltonnen vorstellen kann.

Das Bo ›Seid Ihr Bereit Für Das Bo?‹ (Yo Mama) – Mit dem HipHop-Sterben kamen die eigentlichen MC-Stars. Denn nur die Derben überleben. Das Bo zum Beispiel. Auch dieser Track beweist es wieder: Große Singles werfen ihre Schatten auf noch größere Alben voraus. Tolles Fanfaren-Intro inklusive, als wären die Straßen von Manhattan gegen die von Sankt Georg ein altes TV-Relikt. Gefolgt von zickzackigem Funkstertum und fetten Bläsern. Und das Tollste ist, dass der zweite Song auf der Platte (›Aus ‘er Hüfte‹) sogar noch besser ist.

Beans ›Now Soon Someday EP‹ (Warp / Zomba) – Wirkten die bisherigen Versuche, New Electronica und HipHop zu verschmelzen, wie die Billig-Sci-Fi-Filme von Ed Wood, weil zumeist gänzlich dilettantisch oder total unfunky, lässt das hier doch alle Dioden aufleuchten. Dope Maschinenbleeps, die tatsächlich sowohl die Steckdose als auch die Straßenecke rocken. 1000 Lichtjahre Antipop Consortium scheinen doch nicht umsonst gewesen zu sein und sich jetzt für Beans und uns endlich wirklich auszuzahlen. Remixe gibt’s als Zugabe von Prefuse 73 und El-P.

Diverse ›Jah Son Invasion‹ (Wackie’s / Indigo) – Basic Channel, Chain Reaction, Rhythm & Sound und die Wiederveröffentlichungen aus Bullwackies Reggae-Country, da lässt sich eine schnir-schnar-schnurgerade Verbindungslinie ziehen. Nicht nur, weil die Macher und Initiatoren all dieser Label- und Re-Release-Dinge identisch sind, nein, auch besonders hellhörige BPM- und Riddim-Forscher können hier zur Beweiskraft hinzugezogen werden. Denn wer genau aufgepasst hat, kann die gemeinsame musikalische Verwandtschaft von Beginn an nicht leugnen. Von Techno bis 80er-Reggae-Tunes und wieder zurück. Auf dieser Compilation gibt’s ein paar weitere Beispiele von Bobby Sparkie, Sugar Minott, Jah Skerta, Joy Card ... Wow, das Ganze wächst immer mehr zu einem der epochalsten Beathistorien-Werke der letzten zehn Jahre heran.

DJ Yoda’s ›How To Cut And Paste – The 80s Edition‹ (Sanctuary / Zomba) – Yoda ist schon lange einer der umtriebigsten DJs in der globalen HipHop-Szene: Mit De La Soul, Gang Starr, Goldie und den Scratch Perverts ist der Engländer um die Straßenecken dieser Welt gereist. Hier hat er mal wieder eine seiner ganz speziellen Tours de Force der unmöglichen musikalischen Unmöglichkeiten ineinander gemixt. Hier treffen beispielsweise Grandmaster Flash, Slick Rick und Salt N’ Pepa auf Thompson Twins, Prefab Sprout und A-ha. Oder Blondie, Nena, Cameo und Culture Club geben sich mit den TV-Themes von ›Dallas‹ oder ›Denver Clan‹ die Rillenklinke in die Hand.

Diverse ›Shining Stars Volume II‹ (Downbeat / East West) – Boom, he did it again! Lanny Topp a.k.a. Pioneer hat es wieder getan: Das Riddim-Mastermind von Germaican Records hat nach ›Excitement‹ und ›Shining Stars Vol. I‹ zum dritten Mal die besten Klopfereien aus der Leipziger Beatschmiede auf einer Compilation vereint. Mikrofon-Unterstützung gibt es diesmal von Sizzla, Elephant Man, Tanya Stephens, D-Flame, Seeed oder Spectular. Selbst wenn es mit der Olympiabewerbung nix wird, kann sich Leipzig wenigstens als eine schicke Riddimküche rühmen.

Jahcoustix ›Colourblind‹ (Virgin) – Jahcoustix, der im realen Leben Dominik Haas heißt, ist in Afrika aufgewachsen, wo auch seine musikalische Sozialisation stattfand. Inspiriert durch Reggae-Heroen wie Bob Marley, Peter Tosh, Culture oder Burning Spear, aber auch durch afrikanische Vibes, entstand so eine Melange aus dem Besten dieser beiden Welten. Akoustisches Ganja für die Aufgeschlossenen.

Yellowman ›New York‹ (Sanctuary / Zomba) – Der weltweite Erfolg von Dancehall verschafft auch diesem verdienten Vibe-Veteranen ein Comeback. Nach rund 50 Alben gibt es nach vierjähriger Pause also wieder eine Yelloman-Platte. Die Produktion von Phillip »Fatis« Burrell sorgt für den zeitgemäßen Bounce-Faktor. Und da Alter auch den ehemaligen König unter den Zungenbrechern nicht vor Weisheit schützt, tragen seine Songs inzwischen auch Titel wie ›Peace Dance‹, ›Leave Iraq Alone‹ oder ›CNN News‹. Und das ist auch gut so.

Tolcha ›Street Vibes‹ (P-Pack / Groove Attack) – Elektro-Dub aus Berlin. Dahinter stehen DJ Shir Khan, Rasda, Smiller und Le Lars. Und performen durch die Musikgeschichte mit Dub, HipHop, Elektro und Rock’n’Roll.

Lenny ›Fight Club‹ (Put Da Needle To Da Records / Groove Attack) – Lenny und die HipHop-Schmöker. Da wird kein Blatt vor das Mikrofon genommen. Songs heißen daher ›Supermutant‹, ›Kein Fick‹, ›Miststück‹ oder ›Sinn + Verstand‹. Die Beats sind derb und dope. Und der Mittelfinger bleibt dazu nicht eingeklappt in der Hosentasche stecken. Gut gebrüllt, Lenny.

Eric B. & Rakim ›Paid In Full – Deluxe Edition‹ (Island / Universal) – Nach Reggae (Bob Marley) und Soul/Disco (Marvin Gaye, Diana Ross) haben sich die Macher der wunderbaren Deluxe-Edition-Sets endlich auch des HipHop angenommen. Und was lag da näher, als Eric B. & Rakim und ihrem frühen HipHop-Meilenstein ›Paid In Full‹ die verdiente Ehre zu erweisen? Das Doppel-CD-Set enthält die komplette Originalplatte plus ein Dutzend rare Remixe, A-cappella- und Instrumental-Versionen. Hinsetzen. Kappe ab. Maul halten. Oldschool starts now.



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