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Kelis

»Tasty«

[Star Trak / Virgin / Emi / VÖ: 05.12.2003 ]

Text: Vina Yun, Vina Yun

›Thunder Bitch‹. Paradiesvogel. Oder schlicht: »Ghetto-fabulous sex-queen of discodelic Future-Funk-Pop-Rock-Soul.« Als Kelis Rogers 1999 mit ›Kaleidoscope‹ ihr Albumdebüt gab, hatte die Musikpresse ihren »Dennis Rodman of R’n’B« gefunden – earthy (grell-buntes Bodypainting), freaky (pinker Afro-Hippie-Style) und mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch: Mit der Refrainzeile »I hate you so much right now!« brannte sich Kelis’ erste Single ›Caught Out There‹ ins Gedächtnis, ein Song, »dedicated to all the women out there who’ve been lied to by their men.« Hinter den knalligen Beats auf ›Kaleidoscope‹ standen übrigens die damals noch wenig bekannten Neptunes, ohne die ja mittlerweile im R’n’B- und HipHop-Alltag gar nichts mehr geht.

Umso verwunderlicher die Tatsache, dass Kelis’ zweites Album ›Wanderland‹, das ebenfalls von den Neptunes produziert wurde, in den USA keinen Release fand – für einen R’n’B-Dance-Bastard mit Rock-Gitarren gab es offensichtlich keinen Platz. Kurz darauf profitierten dafür andere vom Aufstieg und Glamour-Faktor der Neptunes, wie etwa Justin Timberlake, der nun einen Award nach dem anderen abräumen darf.

Für ›Tasty‹ hat Kelis die Karten neu gemischt und gibt sich in der Wahl ihrer Produzenten betont eklektisch: Dallas Austin eröffnet mit dem knalligen Track ›Trick Me‹ die Runde, und ›Milkshake‹ hält in bester Neptunes-Qualität mit seinen bouncenden Beats die Spannung aufrecht. Während die von Raphael Saadiq produzierten Stücke (wie die Midtempo-Soulballade ›Glow‹) eher lauwarme Gefühle hinterlassen, weiß hingegen Outkast-Hälfte Andre3000 mit der äußerst charmanten Synthie-Pop-Nummer ›Millionaire‹, wie man Menschen glücklich macht. Auch Rockwilders ›In Public‹ könnte ein ziemlich cooler R’n’B-Track auf Elektro-Basis sein, würde Kelis nicht mit ihrem Fiancé Nas über Sex in der Öffentlichkeit hauchen und dabei so offensichtlich auf herkömmliche kleinbürgerliche Erotik-Fantasien schielen. Ähnlich verhält es sich mit der feuchten 70er-Softporn-Ästhetik, die das CD-Artwork beherrscht: Kelis macht auf Mel-Ramos-styled Pin-up und leckt genüsslich am knallroten Lollipop. Zumindest stellen die Albumcredits Kelis’ Kontrolle über ihre Musik klar, und zufrieden nicke ich, als ich die Zeile lese: Executive Producer: Kelis.



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