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Jay-Z

»The Black Album«

[Roc-A-Fella / Urban / Def Jam / Universal / VÖ: 24.11.2003 ]

Text: Vina Yun, Vina Yun

»I’m so far ahead of my time, I’m bout to start another life.« So großkotzig hat sich wohl noch niemand aus dem Musikbiz verabschiedet. Jay-Z a.k.a. Jigga a.k.a. Hova a.k.a. Shawn Carter hat genug vom Rappen und geht in Frührente. Schließlich warten auch nach seiner musikalischen Karriere genug andere Aufgaben auf ihn: die Führung des Roc-A-Fella-Imperiums (das Musiklabel, Fashion-Line und Filmproduktion einschließt), Armadale Vodka sowie sein 40/40-Club in Manhattan, und das NBA-Team der New Jersey Nets hat er auch noch im Vorbeigehen für 275 Millionen Dollar gekauft. Also: Inszenierung des Abgangs im ganz großen Stil. Etwa: Ein ausverkauftes Abschiedskonzert im Madison Square Garden mit jeder Menge illustrer Gäste (von Funkmaster Flex bis R.

Kelly, »Let’s get ready to rumble«-Boxkampf-Moderator Michael Buffer inklusive). Parallel zur Veröffentlichung des ›Black Album‹ bringt Reebok eine ›Black Version‹ von Jay-Zs signiertem ›S. Carter Sneaker‹ auf den Markt, und das Designer-Handy ›Black Phone‹ kam auch noch termingerecht in die Läden. Zudem gibt es demnächst Jay-Zs Autobiografie ›The Black Book‹ zu kaufen. Wir rekapitulieren: 34 Lebensjahre, neun Alben, davon alle durchgehend Platin-Plus, rund 20 Millionen verkaufte Platten. Ein ganzes Leben im Superlativ. Keep it surreal.

›The Black Album‹ ist zwölf Stücke lang, jedes von einem anderen Produzenten geschmiedet – neben den Hausproduzenten Just Blaze und Kayne West u. a. von Neptunes, Rick Rubin, Timbaland, Eminem etc. –, jedes ein sicherer Treffer. Das soulfulle Moment verdankt das Album vor allem den Chi-Lites- und MSFB-Samples (›December 4th‹, ›What More Can I Say‹), selbst bei R. Kelly hat man sich bedient (›Encore‹). In ›Lucifer‹ hakt sich der Refrain des Reggae-Klassikers ›I Chase The Devil‹ von Max Romeo sofort ins Gehör ein, für ›Justify My Thug‹ stand Madonnas ›Justify My Love‹ Pate. ›Moment Of Clarity‹ ist pures männliches Pathos, wuchtig und klar. Überhaupt ist alles groß und bedeutungsvoll und eine »grandiose Geste« – was vor allem die männlichen Kritikerkollegen mächtig anzuturnen scheint.

»I supposed to be number one on everybody’s list, we’ll see what happens when I no longer exist«, rappt Jay-Z. An ein endgültiges Goodbye will eigentlich niemand so recht glauben – vielmehr dürfte aber stimmen, dass es im Grunde die Jungs im HipHop-Publikum sind, die ihren Rap-Gott nicht gehen lassen wollen.



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