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»Cluster II, Embryo, Guru Guru, Yatha Sidra, Harmonia,«
[Brain / Universal]
Text:
Martin Büsser,
Martin Büsser
Anfang Februar startet Universal mit den ersten sechs Wiederveröffentlichungen des Brain-Labels, alle im Zeitraum zwischen 1972 und 74 entstanden, in der kurzen Blütephase des so genannten Krautrock. Schon diese sechs völlig unterschiedlichen Alben machen klar, was für ein unbeholfener Begriff Krautrock war, dessen nationale Klammer letztlich nichts über die Musik aussagt. Cluster und Harmonia, zwei Bands, an denen Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius beteiligt waren, sind beispielsweise weit entfernt vom Klischee bekiffter Flötentöne, brechen auf in elektronische Strudel, deren architektonische Klarheit heute zwar als Prä-Techno-Struktur bezeichnet werden kann, aber auch noch einen süßen, durchaus angenehm weltabgewandten Zuckerguss aufweist.
Bei Yatha Sidra gibt es sie dann allerdings doch zu hören, die lang anhaltenden Flöten-Abfahrten zu Moog-Gewaber und tribalistischem Getrommel – eines der seltensten Brain-Originale entspricht ganz der Gleichsetzung von Krautrock mit Space und klingt doch gegenüber heutigen Psych-Rockern wie Acid Mother Temple kein bisschen angegammelt. Ähnliches lässt sich trotz hörbarem historischen Kontext von Embryo sagen, die ihren brutal groovenden Fusionjazz mit einer Spur afrikanischer und fernöstlicher Folklore angereichert hatten und damit Duftmarken irgendwo zwischen Miles Davis und Santana hinterließen und die man dem Publikum heute fast wieder als besonders ausgetüftelte Nu’Jazz-Variante unterjubeln könnte. Grenzwertig sind aus heutiger Sicht alleine Guru Guru und Jane. Jane aus Hannover jagen den Bluesrock mit zwei Gitarren durch die Leitungen und bleiben dabei doch eher hölzerne Hendrix-Adepten, die aufpassen mussten, dass sich die Haare beim Wedeln nicht in den Saiten verfingen. Guru Guru dagegen besitzen zwar ein hohes Maß an Eigenständigkeit, begeben sich jedoch spätestens mit ›Elektrolurch‹ auf kosmisch-komisches Terrain zwischen Psychedelic, Bluesrock und Comedy, das fast wie eine Karikatur dessen wirkt, womit Krautrock auch negativ assoziiert werden kann, nämlich wie eine Mischung aus überdrehter Psychedelic und klobiger Unbeholfenheit. Aber auch solche Wiederveröffentlichungen machen Sinn, korrigieren die Geschichtsschreibung und verhelfen zu neuen Wertungen. Dass ich mich beispielsweise für die von mir als Multikulti-Indienfahrer-Hippies abgestempelten Embryo begeistere, ist alleine der Wiederveröffentlichung von ›Steig Aus‹ zu verdanken.
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