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Clann Zú

»Rúa«

[Zahrada / Alive / VÖ: 02.02.2004 ]

Text: Carsten Bitzhenner, Carsten Bitzhenner

Wer nicht prinzipiell etwas gegen gelegentliches Suhlen in Moll und Weltschmerz-Geigen einzuwenden hat, sollte beizeiten in ›Rúa‹, das Debüt der irisch/australischen Formation Clann Zú, reinhören. Die lebensbejahende Ausgelassenheit einer Sisters-Of-Mercy-Platte kommt hier durch Zutaten zustande, die den Griff in die Vergleichskiste extrem tückisch machen. Mit Standard-Rockinstrumentarium, oft im Vordergrund stehenden Streichern, verfremdeten Sounds und Rechnerbeats transportiert die Band ein Pathos, das man auch aus den Frühphasen von Simple Minds und U2 kennt, ist dabei klanglich aber immer eigenständig, irgendwie auch neu und deshalb nur schwer zu beschreiben.

›Five Thousand More‹ zum Beispiel beginnt wie ein trübsinniges Stück Bach, bevor ein Drumloop einsetzt und der erste Eindruck wie öfter auf dem Album kippt, in diesem Fall in die Richtung von etwas, das man auch der späten Siouxsie Sioux zutrauen würde. Einige Nummern wie ›Crashing To The Floor‹ sind unfröhliche Jetztzeit-Folklore mit immer wieder aufscheinenden irischen Elementen, anderes hat einen zarten Beigeschmack von HIM. Über allem ergeht sich Sänger Declan de Barra mit einer Stimme, die streckenweise entfernt an David Byrne nach Verabreichung zusätzlichen Testosterons, im Ausdruck oft an Chad Kroeger von Nickelback erinnert. Aber ebenso häufig auch gar nicht. Die Lyrics plagen sich mit Tod, Depression, Trauer, dem Widerstand gegen diabolische theys oder thems, und Goutierer sich windender Yeahee-Yeahs und Wowhoowows kommen mit ›Rúa‹ allemal auf ihre Kosten. Obwohl die meisten Songs episch breit angelegt sind, wird das meiste dennoch in popkompatiblen fünf Minuten abgehandelt. Garniert mit wenigen Wutausbrüchen, liegt bei Clann Zú eher in der Ruhe die Kraft, einzig das tanzbare ›All The People Now‹ geht nach vorne und könnte, Vergebung, eine schrullige Zusammenarbeit von New Model Army und Asian Dub Foundation sein. Auf Plattenlänge gesehen ärgerlich ist die verschwenderische Verwendung von Hall und dann noch mal einem bisschen Hall. Das kann man dann am Ende für sehr intensiv und atmosphärisch oder für einen, in Mengen genossen, unbekömmlichen Brei halten – Stromlinienlala ist das nicht.



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aus Intro #113 (Februar 2004)
 
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