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Califone

»Heron King Blues«

[Thrill Jockey / Efa / VÖ: 08.03.2004 ]

Text: Carsten Schumacher, Carsten Schumacher

Reiher-König-Blues nennt sich das jüngste Lebenszeichen von Chicagos legitimen Red-Red-Meat-Nachfolgern, und am Anfang aller Dinge scheint bei Califone immer ein Bild zu stehen. Das Cover ziert eine Figur, halb Vogel / halb Mensch, die, etwas wirklichkeitsfern ausgeleuchtet und in verschiedenste Stoffe gehüllt, unter Bäumen wandelt. Ein bisschen Hieronymus Bosch, ein wenig Manson-Clip, aber in ihrer Bedrohlichkeit doch eher schwer einzuschätzen. Diese merkwürdige Hybride ist das Phantombild des Traum-Protagonisten. Als Rutili zufällig auf eine antike Legende stieß, bekam die Figur schließlich ihren Namen: der Reiher-König. Zurückgehend auf die Sagen von Kelten, die an einen Druidengott gleicher Gestalt glaubten, was sich plötzlich in Bedrohung geratene römische Besatzer zunutze machten, indem sie einen Legionär in die Vogelmensch-Maskerade stopften und die Insulaner damit völlig verschreckten.

Die Platte, die Rutili nun erschuf, legt wenig Wert darauf, ihre Hörer vor den Boxen wegzuscheuchen, sondern fokussiert viel stärker auf Drift, Unterbewusstsein, tiefe Nachtstimmung und die kleinen Verwirrungen, die Träume oftmals bereithalten. Besonders prägend wirken dabei die Waits-artigen, dennoch nie zu aufdringlich polternden Percussions und eine an Ry Cooder erinnernde Slide-Guitar, auf die sich ein abwesend wirkender Rutili stützt. In mehreren Sessions improvisiert, manchmal kurz vor den eigentlichen Aufnahmen erst entworfen, schafft es die Musik, viel Spontaneität und Unterbewusstsein zu integrieren. Anschließendes Cut-up-Computer-Arrangement nach behutsam gelernter Post-Rock-Schule rettet die Tracks allerdings vor der Reise ins Nirgendwo und schafft zusätzliche kleine Irritationen, die einem sehr vertraut erscheinenden Sound die nötige Spannung geben. Versprengte Jazz-Elemente und Laptop-Beats tun ihr Übriges, um das Album vor einer Unverortbarkeit zu bewahren, die den Hörer beim ersten Eintauchen noch beschleichen mag. Das Cover steht doch immer noch am Anfang, bevor sich der eigentliche Hintergrund erst nach einigen Durchläufen erschließen lässt.



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