The Aim Of Design Is To Define Space
»Gosen, U Can Rave 2«
[R.O.T.]
Text:
Sebastian Ingenhoff,
Sebastian Ingenhoff
Es gibt immer wieder Platten in dieser recht altruistischen Medienlandschaft, die dann doch von vorneherein scheinbar einzig und allein an eine bestimmte Person adressiert sind: nämlich zu Händen Martin Mülleimers. Immerhin ist es ja wohl eine Frechheit, Journalisten, deren Kurzzeitgedächtnis im Laufe der Zeit irreversiblen Schäden anheim gefallen ist, einen Bandnamen zuzumuten, der durch eine zweistellige Silbenanzahl gebildet ist, und sich obendrein noch einen Albumtitel auszudenken, den vermutlich Frank Goosen zu daneben fände. Das Gosen im Titel bezieht sich übrigens nicht auf den Autor, sondern auf einen kleinen Ort in Brandenburg an der Stadtgrenze zu Berlin, wo die Bandmitglieder herkommen und Könige sind (einer ist nebenbei sogar noch Part bei Mia.).
T.A.O.D.I.T.D.S. verstehen sich vielleicht ein bisschen als Antwort auf einen verspießten, elitären Bildungsbürger-Indierock und sind zu sehen als so etwas wie ein Surrogat-Sequel, zumindest steht Sänger MC Einhorn (diese Art Humor bringt ansonsten deutschlandweit nur die Formation Doppelherz) einem Patrick Wagner in Sachen Rotznasen-Credibility in nichts nach. Sehr energetisch und sehr nach vorne. Mal was für die Kids von der Straße. Bei einigen Songs fällt einem aufgrund des Verzerrer-Lärms sogar My Bloody Valentine als Referenzpunkt ein. Gesungen wird auf Deutsch mit vielen Anglizismen und dabei gewettert über so einiges, zum Beispiel über Popliteratur, Weilheim, Gigolo Rec. oder Studentenrap (›Melancholie Der Standorte‹). Der exzessive Lebenswandel Martin Kippenbergers ist Sujet eines Songs über Alkoholismus und Degeneration (›Kippenberger Is Tired‹), Morrissey wird zum Sportler des Jahres gewählt (›Sports 1st Rescue‹) und der Jugend dabei noch Optimismus gepredigt (›Optimismus Ist Ok‹). ›Gosen, U Can Rave 2‹ ist eine Platte, die ziemlich situationistisch angehaucht sein möchte, der Pose soll hier der ungeputzte Spiegel vor die hinterhältige Visage gehalten werden. Der Bildungsphilister würde so etwas wahrscheinlich Impertinenz nennen, Straßenköter wie wir bevorzugen das Wort Kratzbürstigkeit. Obwohl Aim Of Design manchmal dann doch selber etwas studentisch herüberkommen. Auf der Seite www.aimofdesign.de lässt sich nämlich ein sehr lustiges Tagebuch eines Bandmitgliedes (MC Ostdeutschland) lesen, in dem beispielsweise beschrieben wird, wie dieser sich im Supermarkt einen »Sixpack Tofuwürste (1,99 Euro) und bbm (Biobuttermilch)« zulegt. Alles andere wäre aber auch Quatsch.
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