BEWERTEN
 

Die Aeronauten

»Zu Gut Für diese Welt - Best of«

[Lado / Zomba]

Text: linus volkmann, linus volkmann

So persönlich es klingt – vielen geht es sicher ähnlich: Meine Aeronauten-CD ›Jetzt Musik!‹ habe ich in den Neunzigern mal verliehen. An ein Soz-Päd-Mädchen namens Förmchen. Dafür kriegte ich die LP ›Inspektor, Inspektor‹ von den Fünf Freunden. Nicht dass ich meine Aeronauten-Platte hatte loswerden wollen. Es war im Moment des Tauschs bloß nicht abzusehen, dass sich Förmchen und ich so schnell verkrachen würden. Die Aeronauten hatten keine Schuld. Sie waren schon immer cool und gut. Mit all diesen Alben und Songs. Wer ein Herz für Pop und Altruismus sowie halbwegs den Überblick über Hamburg-Rockt jener Neunziger hatte, war ja wohl Fan.

Bei einem Interview mit Olifr und Hipp, das ich seinerzeit zu der Platte ›Honolulu‹ führte, sagte Ersterer, bevor er je wieder ehrlich arbeiten würde, schösse er sich mit einer Schrotflinte ins Knie. Wegen Versicherung und so. Das ist Jahre her ... Ich hoffe, ihm geht es jetzt noch gut. Denn statt des großen Durchbruchs via Lado wurden die Aeronauten und Olifrs Alter Ego Guz zur Jahrtausendwende von dem Hamburger Label ausgemustert – so hart kann man das doch ruhig schreiben, oder? Für uns Sentimentalos kein schönes Statement, denn die Schweizer hatten es bis dato mit jeder einzelnen Platte gebracht. Nun immerhin wieder auf Lado diese ›Best Of‹. Schön versöhnlich. Und was soll man dazu groß sagen? Wieder und wieder feingliedrige Hits mit tollen Themen, besungen von der tiefen Stimme Olifrs und oft durch Bläser akzentuiert.

Zum Beispiel: ›Bettina, Ich Wollt, Ich Wär Tot‹, ›Countrymusik‹, ›Schwarzer Fluss‹ (mit dem Beatles-›Eleanor Rigby‹-Versatz) oder natürlich der Autonomen-Smasher ›Freundin‹ (»Sie sitzen herum auf dem Fenstersims und klatschen danach noch die Nazi-Skins / Doch ich will lieber eine Freundin, ich möchte lieber ein Mädchen kennen lernen«). Unerreichtes Lakoniktum, das sich nie selbst beheulte, sondern immer die Melodie und den coolen Hafen fand. Besonders schön auch ihr Non-Lado-Hit ›Wie Es Sein Muss‹ auf ›Boheme Pas De Probleme‹ (Make Up / Efa) inklusive der Zeilen: »Ein Orden fürs Dabeisein / Ein Schulterklopfen für die Ausdauer / Ein Taschenmesser zu Weihnachten / Und danke, dass du bleibst, wie du bist.« Noch mehr zitieren zu müssen wäre albern.



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aus Intro #113 (Februar 2004)
 
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