BEWERTEN
 

550Rondy

»My Critical Hertz«

[World’s Best Records / Efa]

Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

Huh, ist das schön unterkühlt, düster, elegant, lasziv und sanft paranoid. Und organisch, soulig, groovend und emphatisch. Die zwei elektronischen Jungs und das elektronische Mädchen aus Wien, die auf dem neu gegründeten Label temp~records als Startknaller ihren ersten Longplayer rausgebracht haben und von Grandseigneur Pulsinger produziert wurden, mögen Gegenpole, die gar keine sind. Denn Catarina, Matthias und Martin sind laut Eigeninfo »überdreht und depressiv, sexgeil und verklemmt, traurig und endlos glücklich«. Wie wir alle Manisch-Depressiven also, bloß machen sie dabei die schönere Musik. So zerrissen, wie sie sich im Presseblättchen darstellen, klingelt es aus den zehn Tracks jedoch nicht, denn trotz verschiedenster Genrespielarten wird ein blank gewienerter und höchst stylisher Schuh draus.

Am charakteristischsten für den Rondy-Sound ist Catarina Pratters steril-glamouröser Gesang, der in seiner sexy-aggressiven Übersteuerung immer kalkuliert haarscharf an der Psychose vorbeizuschrammen scheint und Dani Siciliano genauso in den Haaren wuschelt und ziept wie Skye Edwards, Siouxsie Sioux und PJ Harvey. Wer in groß vermarktbaren Kategorien denken möchte, könnte dem Projekt für Teile das Etikett Coffee-Table-TripHop anheften – das aber hauptsächlich, weil alles so smooth, kühl und professionell wie gezuckertes Quecksilber fließt.

Ganz selbstverständlich findet man auch Minimal und nicht so minimal House – ›I Know It’s Cheap‹ featurt ein toll oldschooliges House-Klavier und wurstelt sich dann in einen Moloko-Disco-Catsuit –, viel Dub-Gesphäre, fast experimentelle Soundschnipseleien, Joy-Division’esken genauso wie dezent geslappten Bass und eine zurückgenommene Hommage an Bobby Marley in ›Marley 3000‹ mit einem lakonisch gesungenen und fast bis zur Absurdität verfremdeten »I shot the sheriff«. Das Ganze klänge schon fast beängstigend perfekt, wenn da nicht die Texte wären, die jugendlich naiv-verblümt etwas vage auf Englisch daherstolpern. Die werden allerdings wieder mit so einem verdammt coolen, fast osteuropäisch anmutenden Akzent von Catarina vorgetragen, dass das ästhetische Gesamtkonzept mit all seinen Eckchen und Kanten am Ende doch wieder rund wird.



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