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»Der Specht Baut Keine Häuser Mehr«
[Sounds Of Subterrania / Cargo]
Text:
linus volkmann,
linus volkmann
Der Name soll bitte nicht irritieren. Das heißt, eigentlich möchte er genau das schon und gibt sich damit ja auch alle Mühe, indem er militärischen Guerilla-Jargon auf milde Urlaubsromantik treffen lässt. Und bevor sich darauf jemand vorschnell einen Reim machen kann, wird das Ganze noch im Stile konkreter Poesie via überraschende Leer- und Satzzeichen komplett dem hermeneutischen Zugriff entzogen. Dabei würde ja eher ein Bandname simpler Zugänglichkeit verstören, denn dieses Kommando hier entstammt dem Punkveteranen-Umfeld um Jens Rachut. Dort, wo die Bands Dackelblut, Oma Hans und Blumen Am Arsch Der Hölle heißen. Kommando Sonne N-Milch hat dabei keinen festen Bandentwurf parat.
Im Info stellt man die Konsistenz der Gruppe als »Band??« in Frage. Auf dem Cover abgebildet in Steward- und Stewardessen-Look kurz nach erfolgreichem Absturz, also mit dicken Lippen, aber sehr erleichtert, finden sich sieben Gesichter. Neben Rachut erkennt man leicht Thomas Wenzel, schließlich spielt er in jeder Band aus Hamburg, die irgendwie was bringt. Sterne, Cow, Zitronen und so. Dazu kommen Stephan Mahler (Ex-Slime), Karin De Boer, Claudia Pegel und noch wer. Ein All-Star-Ding, keine Frage – so destruktiv diese Pauschalverbeugung vor Leuten, die vielleicht einfach nur zu ratlos zum Abtreten sind, auch immer klingen mag. Doch um Himmels willen, hier ist man ja nun wirklich froh, dass sie noch aktiv sind, schön mal was zusammen machen und ästhetisch noch längst nicht am Ende sind. Daran lässt ›Der Specht Baut Keine Häuser Mehr‹ keinen Zweifel. Was man nicht erwarten darf, ist Punk rauer Leatherface’scher Prägung, für den Rachut-Bands sonst immer in irgendeiner Form gut sind. Geht viel eher so ins Artifizielle mit Chanson-Momenten durch die Stimmen von Pegel und De Boer, die Rhythmen wirken fast elektronisch in ihrer zurückgenommenen Unbeirrbarkeit. Das Ganze klingt ungemein und dankenswert originell. Man fühlt sich schnell heimisch in dem theatralischen, irrwitzigen, punkigen Gestus, wird aber nicht abgespeist mit dem üblichen Sound. Mir scheint ein Bezug gegeben zu dem Song, der auf der ersten Oma Hans, ›Bremen – Zürich – Karlsruhe‹, zu hören war und auf dem Jens im Duett mit Peta Devlin (Cow, Ex-Die-Braut-Haut-Ins-Auge) sang. Der öffnete seinerzeit einen Horizont von Resistance und Schönklang, den die Band dann aber nicht mehr weiter verfolgte. Auf dieser Platte hier wird daran angeknüpft. Ui. Damit und durch die Wegnahme der sonst üblichen empörten Rohheit kommt, wie zu erwarten, eine weitere hochaufregende und spannungsreiche Ebene zum Vorschein. Jeder Song ist ein Erlebnis. All-Stars jenseits von ratlos. Diese Platte ragt heraus.
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