BEWERTEN
 

Lambchop

»Awcmon«

[City Slang/Labels/Emi]

Text: christoph koch, christoph koch

Kurt Wagner, der meist Baseball-bemützte Kopf der Band Lampchop, hat jeden Tag ein komplettes Lied geschrieben – wochenlang, monatelang. Was für eine Herausforderung das ist, kann jeder ermessen, der schon einmal versucht hat, sich jetzt aber mal wirklich (!) jeden (!) einzelnen (!) Abend die Zähne zu putzen. Oder jeder, der schon einmal versucht hat, auch nur ein einziges Lied zu schreiben, das es auch nur ansatzweise mit denen von Lambchop aufnehmen kann. Kurt Wagner hat es geschafft und hat mit ein paar kleinen Unterbrechungen am Ende insgesamt fast anderthalb Jahre lang einen Song pro Tag geschrieben. 24 davon hat er anschließend ausgewählt und gleichmäßig auf die zwei parallel erscheinenden Alben ›Awcmon‹ und ›Noyoucmon‹ verteilt.

Ebenso wie das Meisterwerk ›Is A Woman‹ (das Karl Bruckmaier, der Obi-Wan des Pop-Feuilletons, als »eine der zehn besten Platten, die jemals gemacht wurden« bejubelte) klingen sie beim ersten Mal ungefähr so langweilig wie ein intensives Studium des Postleitzahlenbuchs oder die letzte Rundmail über einen Flashmob. Doch mit jedem weiteren Hören breitet sich das, was anfangs nur die verstaubte Idee einer kitschigen Postkarte war, zu einer reichen und prächtigen Landschaft aus. ›Awcmon‹ ist dabei die etwas ruhigere, melancholische Hälfte des Geschwisterpaares, während ›Noyoucmon‹ manchmal sogar ansatzweise gut gelaunt klingt – na ja, zumindest energetisch. Gemeinsam sind den beiden Alben, die die Band nicht als Doppelalbum betrachtet wissen will, üppige Streicherarrangements, weit schweifende Melodiebögen und großes Gefühlskino. Am allerbesten: der warme Märchenonkel-Tonfall von Wagners Stimme.



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