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The Distillers

»The Coral Fang«

Text: T.L. Renzsche, T.L. Renzsche

Bierernst, einfallslos, bemüht aggressiv und talentfrei. Wenn man im 21. Jahrhundert so klingt, gibt es immer noch einen Joker, ein Freio, auf das man sich berufen kann, um ganz vorne mit dabei zu sein. Dieses rettende Prädikat nennt sich Punk und hatte ursprünglich mal einen anrüchigen, bedrohlichen Beigeschmack und stand für rohe, antisoziale, unkanalisierte Energie. Mit punktraditionsbewussten Bands wie den Distillers wird Punk früher oder später Einzug in den ›Musikantenstadl‹ halten. Karl Moik wäre bestimmt erfreut, die Frontfrau Brody als Rockröhre zu präsentieren.

Denn geröhrt wird hier aufs Heftigste, ganze 45 Minuten lang. Brodys Stimme ist zuweilen schön dick mit Emotionsmargarine beschmiert, was aber der Austauschbarkeit der einzelnen Songs nicht den geringsten Abbruch tut, denn die restlichen Distillers bemühen sich redlich, diesen überwürzten Gesangsbrei mit ledrigem Dosenpunk anzureichern.

Klingt wie Karaokemaschinen im Alptraumland. Noch mehr Pseudo ist nur Thomas Zickler mit Iro. Martin Riemann Es geht immer noch mehr Schmutz und immer noch mehr Bier. Dreckiger Rockpunk mit Tätowierungen besitzt ja seit den späten Siebzigern sein eigenes Segment. Mit hoher ästhetischer Verbindlichkeit und damit logischerweise einhergehend einer sehr strengen ästhetischen Limitierung.

Das heißt, der jeweilige Protagonist kann sich zwar gebärden wie der letzte vogelfreie Outlaw mit ‘ner Gitarre am Arsch, letztlich aber ist seine Freiheit auch nicht viel größer als die von irgendwelchen gecasteten Superstars. Daraus ergibt sich natürlich viel Wiederholung. Und da ist die Platte der Distillers rund um Sängerin und Kelly-Osbourne-Feindin Brody Dalle nicht hoch genug einzuschätzen. Trotz einer letztlich geschliffenen Produktion erschaffen sie ein Album obszöner Rohheit. Augenringe, Unterhemden, Tinnitus, Totenkopf-Tattoos, geronnen in Songs. Und das unter völliger Auslassung der sonst so hyperstyle-bewussten Poser-Codes, die vergleichbare skandinavische Acts immer gern auffahren.

Nein, die Distillers sind keine Mogelpackung – die kleidsame Exportbierfl asche des Schlagzeugers (so gesehen in einer der letzten NME-Ausgaben) ist wirklich angewachsen und kein cleveres Rock’n’Roll-Styling-Accessoire. Sicher, um noch mal die Kritik aufzugreifen, wirkt es oberfl ächlich so, als hätte die Produktion die Band um ein paar Kanten gebracht – aber, hey, nur weil der Sound gut ist, ist die Band noch nicht korrumpiert. Quatsch. Das hier ist Rock, der von Hole gelernt hat und denen noch einiges hinzufügen kann.



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