BEWERTEN
 

Fuck

»Those Are Not My Bongos«

[Homesleep]

Text: Jörn Morisse/Sascha Ziehn, Jörn Morisse/Sascha Ziehn

Wer weiß, wo diese Band stehen würde, hätte sie sich nicht von vornherein mit ihrem Bandnamen das Leben absichtlich schwer gemacht. Vor zehn Jahren in San Francisco gegründet, bringen Fuck jetzt ihr mittlerweile siebtes Album heraus. ›Those Are Not My Bongos‹, aufgenommen letztes Jahr in Ancona, Italien, überrascht nonchalant mit einer Vielzahl von Stilen und Stimmungen, vereinigt Flüster-Gesang und Reverb-Schlagzeug mit Garagenrock-Attitüde. Die mediterrane Novembersonne hat ihnen hörbar gut getan. Und so liefern sie ein unerwartet kontrolliertes Album voller sperriger Geistesblitze ab, das fast ein bisschen Ween-lastig (ja, auch Souled American, um die andere Koordinate zu benennen) rüberkommt. Dabei verwehren sich die intelligenten Eigenbrötler nicht dem Gestus des ironischen Muckertums im Sinne der Mothers Of Invention, wenn sie stellenweise mit Harfe und Oboe ihre subtilen Text-Pikanterien unterlegen: ein Versuch, die Fuck-Themen Sexualität und Subversion ganz entspannt und unangestrengt zu kombinieren.

Wie immer haben sie Gitarren zupfende Kleinode und perfekte Pop-Momente im Gepäck, die Neigung zu jazzigen Albernheiten scheint diesmal nur ganz sporadisch durch (›Jazz Idiodyssey‹). Eine Instrumental-Improvisation mit Titel ›Olives Vs Cherries‹ wirft zwar die Frage auf, ob vielleicht auch Drogen mit im Spiel waren, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Fuck hier ihren versponnenen Soundtrack zu italienischen November-Sonnenuntergangsmomenten vorgelegt haben.

Ein Fall für die 90er. Damals bildeten Fuck zusammen mit Matador-Labelkollegen wie Solex einen Lo-Fi-Zirkel, der die Gegenbewegung zu Ausgeklügeltem von Tortoise, Stereolab oder anderen Rockbands der Zeit war. Fuck klangen roh, improvisiert, unmittelbar. So klingen sie heute immer noch. Nur ist dieses Lo-Fi-Modell mittlerweile auf einem völlig neuen Level angekommen – einem Level, wo das Durchkomponierte zufällig wirken kann und umgekehrt. Bright Eyes und das Über-Album ›Lifted‹ sind hier so was wie die Blaupause: der Spagat zwischen Hymne und Momentaufnahme, bei dem genau dieses sonderbar gebrochene Verhältnis zwischen monumentalem Songwriting und schludriger Aufnahmesituation den Reiz ausmacht. Stell dir vor, du hast gerade den Song des Jahrhunderts geschrieben und du versaust die einzige Aufnahme, weil du beim Singen einen Hustenanfall bekommst ... Mucker und Präzisionisten würden weinen, Connor Oberst aber ist lässig genug, das einfach mal so stehen zu lassen. Auch Fuck lassen auf ›Those Are Not My Bongos‹ vieles einfach mal so stehen. Aber es ist schlecht. Die Songs sind langweilig – gemessen an dem Niveau, das eine Band wie Bright Eyes in puncto Songwriting vorlegt, aber auch für sich ohne Vergleich. ›Those Are Not My Bongos‹ klingt, als hätte man im Schuhkarton gekramt und ein paar Outtakes von 1997 rausgehauen, wie Musik aus dem letzten Jahrtausend. Schade.



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