BEWERTEN
 

Sugababes

»Three«

[Polydor-Island / Universal / VÖ: 27.10.2003 ]

Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

Das Problem für große Popbands wie die Sugababes ist bei jedem neuen Album ja immer dieses Lauern auf den einen, weltumspannenden Hit, unter dem es nicht läuft. Dem Überraschungs-Hammer ›Overload‹, der sie nach oben katapultierte, konnte von ›Freak Like Me‹ auf dem Nachfolgeralbum ganz gut das Wasser gereicht werden. Jetzt, beim dritten Album, kratzt man sich die Schläfen und fragt sich, ob ›Hole In The Head‹ wohl das Gleiche können wird. Ist es diese leicht Boney M’eske, fröhlich dissende Trennungsnummer, zu der sie im Video die Bandjungs von der Bühne schubsen und dann genüsslich deren Instrumente zertrümmern? Könnte schon sein – der eigentlich total quatschige Reim cry-y-y / guy-y-y / good-bye-y-y ist jedenfalls unschlagbar.

Der Rest des Albums wurde, wie auch schon der Vorgänger, wieder ziemlich eurodancy mit viel shaky Vokal-Artistik, ordentlich Hall und bombastischer Produktion glattgefönt, kann aber trotzdem nicht wegstylen, was den Charme der drei Babes bei aller Professionalität nach wie vor ausmacht: Denn auch noch am oberen Ende des Erfolgstreppchens strahlen die Britinnen so eine pfiffige Streetness aus, die sich, neben all den genrewichtigen Beziehungsdramen, nicht scheut, uncleane Worte wie »drunken« und »cigarettes« in ihren Lyrics-Kosmos mit einzubauen. Und obwohl ich das ständige, an den Haaren herbeigezogene Vergleichen von Musikerinnen eigentlich nicht mag, muss ich doch mal feststellen, dass die bibeltreuen Kolleginnen von Destiny’s Child den (Ex-) Beziehungspartnern und anderen Boys in ihren Stücken zwar auch kräftig in den Hintern treten und damit unglaublich positive Aggro-Energien verbreiten, aber in dieser Hinsicht einfach zu viel dem reingewaschenen Ami-Puritanismus zugestehen. Bei den Sugababes kann man sich hingegen richtig vorstellen, wie sie bierselig Hotelgänge entlangwanken und kichernd »Why can’t the boys be the toys / That the girls want the boys to be?« vor sich hin trompeten. Und das macht doch definitiv Spaß.



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