BEWERTEN
 

Lawrence

»The Absence Of Blight«

[Dial / Kompakt]

Text: Julian Weber, Julian Weber

Den Beruf des Gärtners umweht eine eigenartige Aura. Man denke nur an Peter Sellers und seinen letzten Film ›Willkommen Mr. Chance‹, bei dem er in der Rolle des Gärtners im Weißen Haus aus Versehen zum US-Präsidenten auserkoren wird. Das Klischee will es offenbar, dass Gärtner Eigenbrötler sind, wenn sie in den Parkanlagen dieser Welt mit linkischem Gesichtsausdruck das Unkraut jäten. Etwa der große Schweizer (Kriminal-) Schriftsteller Friedrich Glauser: Er musste lange Jahre das Amt des Gärtners ausüben. Auch Lawrence alias Peter Kersten, ein ehemaliger Gärtner, erinnert sich nun seiner Sachkenntnis der Botanik, hat inzwischen aber Sinn für die Schönheit von Unkraut entwickelt.

Auf dem Cover seines zweiten Albums ›The Absence Of Blight‹ sind allerlei tote Bäume, überwucherte Wiesen und abgestorbene Pflanzen abgebildet. Der Lawrence-Sound von einst hat sich emanzipiert von den Wurzeln, ist überwuchert von Wabern und Schürfen, von vielen versteckten Spielereien und tiefen Sägegeräuschen mit Magensäure-Touch. Man vergisst in diesem zarten Klangozean fast den Beat, wenn schräge Keyboardpartikel wie Schaumkronen aufeinander zischeln und vom Feedback verschluckt werden. Wenn Lawrence im Pudel auflegt, schreckt er auch nicht vor Störsounds zurück, bringt zur Peaktime schwierige und unscheinbare Momente zwischen Esel Records und Shake Shakir, wo andere nur abwinken würden. Wir hingegen winken Lawrence freundlich zu.



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